Heute wird erstmal geraeumt. Urspruenglich, bevor ich zum ersten Mal an Bord war, hatte ich mit Segeln assoziiert: an Deck liegen und Delphine beobachten, unter Palmen in Haengematten liegen und Cocktails schluerfen, Sonnenuntergaenge gucken... Pustekuchen! Klar, irgendwann zwischendurch macht man das vielleicht auch mal - aber ein grosser Teil der Zeit wird aufs Raeumen verwendet. Nachdem Padma nun etwa ein halbes Jahr alleine war, gilt es, alle Faecher auszuraeumen und zu reinigen und alle Stoffe zu waschen, die ziemlichen Muff aufgesogen haben in der Zeit. Michi hat schon gute Vorarbeit geleistet, trotzdem gibt es noch viel zu tun fuer uns. Wir sortieren Waesche, putzen und schrubben, verstauen Lebensmittel, verpacken Stoffe luftdicht in Tueten und versuchen, das Boot einigermassen gemuetlich zu machen. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell auf so kleinem Raum alles ungemuetlich werden kann!
Kaya hilft auch mit beim Raeumen - und entdeckt dabei zwei Babyschnuller von sich, die sie frueher immer abgelehnt hatte. Jetzt gibt es nichts Spannenderes. "Wo mein Nuller?", ist ab nun die haeufigst vernommene Frage. Mit Adleraugen verfolge ich die Aufenthaltsorte der beiden Schnullerchen.
Mit Kind reisen ist immer wieder neu und stellt die Begleiter vor immer neue Herausforderungen. Jetzt, wo Kaya klettern und toben kann (und will!) und vor allem auch gerne alles alleine machen moechte, hat die Aufgabe der Beaufsichtigung an Bord eine neue Stufe erreicht. "Ich muss was arbeiten," sagt sie und klettert an Deck. "Du nicht!", ruft sie mir zu, wenn ich hinterher klettern moechte, um ein Auge auf sie zu haben. "Die Mama muss unten bleiben!" Uff! Aber, was ich mit Freude beobachte, sie macht alles, was sie tut, mit viel Vorsicht und grosser Aufmerksamkeit. Rueckwaerts den Niedergang runterzuklettern, hat sie bereits am ersten Tag verstanden. Wahrscheinlich kann sie schon viel besser alleine auf sich aufpassen, als ich oft glauben mag. Meine Augen bleiben sicherheitshalber trotzdem so weit es geht auf ihr. Auch wenn ich darauf achten muss, dass sie es nicht so merkt...
Zur Belohnung geht es heute nach dem Raeumen wieder in die Altstadt, wo wir mit Nico verabredet sind. Nico lebt hier, schreibt unter anderem auch fuer Dumont den Reisefuehrer Brasilien und entpuppt sich als sehr unterhaltsame Gesellschaft. Schoen, solche Kontakte zu haben, wenn man irgendwo fremd und neu ist (danke, Marco!). Wir lungern erst lange in dem Sonnenuntergangs-Café rum, in dem wir auch gestern schon waren, dann geht es ins Getuemmel. Dienstagabend ist Partyabend. *Jeden* Dienstagabend! Da kann Marburg auch noch was von lernen. Die Strassen der Altstadt sind voller Leben, auf kleinen Buehnen hier und da spielen Samba-Bands heisse Latino-Rhythmen, die Menschen sind alle in Bewegung, hueftschwingend, mitsingend, strahlend. Wow! Nico zeigt uns seinen Lieblingsort fuer Dienstagabend: eine grosse Treppe, an deren Fuss eine lustige Band spielt und auf deren Stufen die Menschen sich versammeln. Kaya haengt bei Michi im Tragebeutel und schlaeft selig. Selbst, als die Musik losgeht, oder als die Leute direkt neben ihr johlen und klatschen und pfeifen, laesst sie sich nicht stoeren. Tolles Reisekind!
Ich bin gluecklich, hier zu sein. Mit dieser Familie, unter diesen Menschen, in diesem Klima, bei dieser Musik. Hier kann man gar nicht anders, als das Leben etwas leichter zu nehmen.
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