15.03.2012

Tagesablauf

8. Tag





Seit einer Woche bin ich unterwegs, und inzwischen ganz entspannt dabei. Da ist langsam Routine eingekehrt, und mein Tagesablauf hat sich so etabliert:

Morgens gegen 8 Uhr (meine Borduhren laufen auf UTC Weltzeit = westafrikanische Zeit) geht die Sonne auf. Dann mache ich den Motor an zum Batterien nachladen (leider reichen meine Solarpanele nicht aus, um den gesamten Stromverbrauch zu decken).  Dann schaue ich nach dem rechten, und mache den Motor nach etwa einer Stunde aus.

Alle zwei Tage gönne ich mir den Luxus und dusche mich mit warmem Süßwasser. Dafür habe ich genug Wasser, wenn ich es schnell mache. Zum Frühstück gibt es Müsli mit H-Milch (und mit Banane, als noch welche da waren) oder frischen Pancake mit kapverdischem Zuckerrohrsirup. Dann beschäftige ich mich mit irgendwas: lesen, kleinere Reparaturen, fotografieren und bloggen, was anderes lesen usw.

Ich habe beschlossen, nach alter seemännischer Tradition, jeden Mittag, wenn die Sonne im Zenit steht, meine Position zu bestimmen. Nur mache ich das nicht mit Sextant und Tabellen, sondern auf Knopfdruck mit GPS. Jeden Tag, den ich weiter nach Westen komme, ist Mittag ein paar Minuten später. Heute ist Mittag im 14:06 Uhr, laut GPS. Dann rechne ich mein Etmal aus - das ist die Entfernung, die seit dem letzten Mittag zurückgelegt wurde. Bei dem stetigen, leichten Passatwind (10 Knoten, Windstärke 3), in dem ich segele, sind das immer ungefähr 120 Seemeilen. Das macht also 5 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit.

Nach der Navigation gibt es - ebenfalls alter Brauch in der Seefahrt - Mittagessen. Entweder ich mache mir den Rest vom Vortag warm, oder ich koche mir was neues. Meistens koche ich irgendwie mediterran, also Pasta oder Risotto mit Gemüse oder Bohnen und so. Leider ist mein frisches Gemüse fast alle. (Für die zweite Woche habe ich noch Maniok, Kartoffeln, Kohl, zwei Kürbisse und viele Konserven.) Aber heute koche ich zur Abwechslung mal mitteleuropäisch, oder meine Version davon: Auberginenschnitzel mit Kartoffelklößen und Rotkohl (noch von Lidl auf Teneriffa). Gekocht wird mit frischem Atlantikwasser verdünnt mit Süßwasser. Müll kommt über bord, sofern organisch. Nach dem Essen noch Geschirrspülen, mit Meerwasser.

Wenn ich dann gut satt bin, mache ich erstmal Siesta. Dann, am Nachmittag verschiedenes, so wie am Vormittag. Gegen 20 Uhr geht die Sonne unter. Dann gibt es Abendbrot, je nach Hunger wird gekocht (gestern: Spaghetti aglio olio peperoncini) oder ein paar Scheiben Schwarzbrot mit Butter. Käse habe ich leider schon lange keinen mehr. Noch etwas lesen oder Radio hören (BBC auf Kurzwelle), und gegen 23 Uhr fallen mir meist die Augen zu.

Das Schiff fährt sich dabei die ganze Zeit alleine. Alle paar Tage ändere ich vielleicht etwas an Kurs und Segelstellung. Seit zwei Tagen segele ich jetzt platt vorm Wind, mit aufgefiertem Großsegel und dem Genaker am langen Teleskopbaum ausgestellt. Ich habe versucht davon ein Panorama-Foto zu machen, aber leider halten die Segel nicht still während ich die Teilfotos mache.


Ich bin aber natürlich trotzdem 24 Stunden auf Wache. Ich blicke immer mal wieder eine Runde um den Horizont, wo fast nie etwas zu sehen ist. Und ich mache das Radar an und blicke eine Runde. Da ist innerhalb der Reichweite von 24 Meilen auch meistens nichts zu sehen. Wenn doch was da ist, schaue ich, in welche Richtung es fährt und wie schnell, und ob es in meine Nähe kommt, was auch meistens nicht der Fall ist. Das alles mache ich tagsüber vielleicht einmal die Stunde, und nachts immer wenn ich aufwache. Und aufwachen tue ich immer einige Male: entweder weil mich irgendein Alarm weckt (wobei die AIS-Fehlalarms seltener geworden sind, aus Mangel an auslösenden Schiffen) oder weil ich unruhig werde und mal nach dem Rechten schauen muss. Da ich mir aber keinen Wecker stelle, werde ich nicht so oft zur Unzeit aus dem Schlaf gerissen, und bin morgens ganz gut ausgeruht.

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