13.03.2012

MSC MIRA

6. Tag



Andere Schiffe sehe ich hier wenig. Das heisst, sehen tue ich sie meistens überhaupt nur per AIS und Radar. Die Sicht ist eher schlecht. Ob das hier mitten auf dem Atlantik immer noch der Harmattan-Dunst ist, also der feine Sahara-Staub, der in dieser Jahreszeit ganz Westafrika trübe macht, und auch weit aufs Meer hinausreicht? Vorgestern Mittag war der Tanker CALYPSO erst zu sehen, als er nur noch 2.5 Meilen weit weg war. Ich hatte ihn aber schon lange vorher geortet, angefunkt, und mir bestätigen lassen, dass er mich auf dem Radar sieht und seinen Kurs entsprechend ändert.

Heute kam der 300m lange Containerfrachter MSC MIRA auf mich zu. Mit AIS habe ich ihn schon drei Stunden vorher gesehen. Da habe ich erstmal in Ruhe Mittag gegessen, ein Schläfchen gemacht, noch etwas gelesen, und dann eine halbe Stunde bevor er mich überholt, Funkkontakt aufgenommen. Er hat mich auf dem Radar, alles OK. Als er 3.5 Meilen weit ran war, konnte ich ihn endlich auch sehen. Riesenteil, so ziemlich das größte, was hier so rumfährt. Und ich so ziemlich das kleinste.

Als er etwa eine Meile ran ist und mich überholt, schaue ich ihn mir mit dem Fernglas an. Der Kapitän mich anscheinend auch, denn er meldet sich per Funk auf deutsch, er hat meine deutsche Fahne gesehen. "Kleines deutsches Schiff grüßt großes deutsches Schiff", sage ich. Er grüßt auch und erkundigt sich freundlich über meine Fahrt, und ob ich etwas brauche, Wettervorhersage etwa. Er bestätigt mir, dass keine Tiefdruckgebiete da sind, und gibt mir die Lage der intertropischen Konvergenzzone durch, also des Gewittergürtels, durch den ich durch muss. Dann fragt er, ob ich deutsches Bier habe. Er könne mir einen Kasten hinten raus werfen. Oder Wasser. Ich bedanke mich, sage aber, dass ich mit allem gut versorgt bin.

Aber um etwas kann ich ihn doch bitten: Ob er eine Email an Nina schreiben kann, um zu sagen, wo ich bin, und dass es mir gut geht. Das macht er gerne. Dann verabschieden wir uns, und er fährt mit seinen Containern weiter nach Rio de Janeiro.

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