Der letzte Tag vor der großen Fahrt. Und da fällt mir jetzt erst ein, dass ich schon lange nicht unterm Schiff nach dem rechten gesehen habe. Wegen Bewuchs auf dem Rumpf mache ich mir keine Sorgen, denn der hochwertige Antifouling-Anstrich ist erst ein halbes Jahr alt. Aber die Schraube hat bestimmt Bewuchs. Und mit einer Schiffschraube voller Seepocken fährt man nicht gut, erst recht keine langen Strecken. Also beschliesse ich, nochmal schnell tauchen zu gehen. Ich warte, dass der Flutstrom nachlässt und gehe eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang mit Maske und Spachtel bewaffnet ins Wasser. Die Wassertemperatur ist, für mich als Warmduscher, akzeptabel. Die Strömung ist immer noch etwa ein Knoten, aber es gelingt mir mühsam im trüben Wasser vom Heck bis zur Schraube vorzutauchen, und mich dabei am Ruder festzuhalten. Die Schraube ist tatsächlich einigermassen bewachsen, und mit etwa zehn mal Luftanhalten-und-runter gelingt es mir, beide Propellerflügel von allen Seiten glatt zu kratzen.
So weit so gut. Dann stelle ich aber fest, dass die Zink-Opferanoden, die Korrosion an den wertvollen Stahlteilen des Antriebs verhindern sollen, weg sind. Seltsam, denn die letzten Anoden haben etwa zwei Jahre gehalten, und diese waren erst ein halbes Jahr alt. Die Propellerwelle ist auch noch ganz blank an der Stelle, wo die Anode dran war, lange kann sie also noch nicht weg sein. Ob die Anoden nicht verbraucht sind, sondern ihre Befestigungsschrauben weggerostet sind, weil sie nicht aus Edelstahl waren? Das wäre dumm, ist aber nicht mehr zu ändern. Ich finde bei meinen Motorersatzteilen noch den Rest von der alten Wellen-Anode (mit Edelstahlschrauben), und traue mir zu, sie unter Wasser an die Welle zu schrauben. Jetzt tauche ich mit zwei Anodenhälften, zwei Schrauben, zwei Muttern, einem Schraubenschlüssel und einem Sechskantschlüsselsatz in den Händen ins trübe, fliessende Wasser. Die Sonne geht unter und es wird zusehends dunkler unterm Schiff. Es ist sehr anstrengend, aber es gelingt mir in etlichen Tauchgängen unter Wasser alles korrekt zusammenzusetzen und die Schrauben fest anzuziehen. Mit letzter Kraft, aber mit erfolgreich erledigter Arbeit, gehe ich zurück zur Badeleiter. Da stoße ich mit der Hand an, und der Sechskantschlüsselsatz entgleitet mir. Bevor ich hinterherschauen, geschweige denn hinterhertauchen kann, ist er schon im trüben Wasser verschwunden. Na gut, man kann auch ohne Sechskantschlüssel über den Atlantik segeln, denke ich mir. Weitere Opfer der Unterwasseraktion: Eine Schnittwunde in der Haut vom scharfkantigen Bewuchs im rechten Zeigefinger, und eine in der linken Handfläche.
Dann gehe ich an Bord erstmal heiss duschen und mache mir ein lecker Abendessen. Ich versuche mir eine entspannte Nacht zu machen, schlafe aber eher unruhig.
Kleiner Tipp für solche Fälle: ein kleinen Plastikkorb als Container für Werkzeug und Teile, den man sich an den Arm oder um den Bauch schnallen kann.
AntwortenLöschenOk, aber ich denke so ein Korb wäre hinderlich beim Tauchen, wo man volle Bewegungsfreheit braucht. Ich hätte mir das Werkzeug mit einer dünnen Leine ans Handgelenk binden können, aber für Perfektion hatte ich leider keine Zeit.
AntwortenLöschen