30.07.2011

Erste Kontakte mit Einheimischen



Na gut, Thomas ist kein Einheimischer im eigentlichen Sinne. Er ist Schotte, wohnt aber schon lange auf El Hierro. Sehr lange. Zu lange, wie er selbst sagt. Wir kommen ins Gespräch in einer kleinen Bar in El Pinar.

Eigentlich wollten wir heute was von der Insel sehen. Also haben wir uns vormittags an die Straße gestellt, die aus La Restinga zunächst ins mondlandschaftige Nichts führt, und den Daumen ausgestreckt. Mal sehen, wohin es uns verschlägt... Wir hatten nicht mal Zeit, diesen Moment photographisch festzuhalten, denn prompt hielt das erste Auto, das kam. Ein Pärchen aus Teneriffa, sogar mit Kindersitz hinten, begrüßt uns freundlich. Sie führen nach El Pinar. Ja, prima, wohin auch immer, wir auch!

El Pinar ist eine Gegend, die aus zwei kleinen Ortschaften besteht. Beide sehr verschlafen, wie wir feststellen müssen, als wir uns aus dem Auto pulen. Irgendwo hier muss es auch Wald geben, aber so direkt ist nicht zu erkennen, wo das sein soll, die Hitze ist erdrückend, der Wind pfeift gnadenlos (das ist ein bisschen wie permanent unterm Föhn stehen) und wir haben Hunger. Daher suchen wir nach kurzem Spaziergang das nächste Restaurant. Wir müssen uns eine Weile die heiße Straße entlangschleppen, doch als wir schon beinahe beschließen, in den nächsten größeren Ort zu trampen, taucht hinter einer Biegung eine kleine Bar auf. Es gibt keine besondere Auswahl, vor allem nicht vegetarisch, aber das ist jetzt egal. Wir nehmen Salat, Kartoffeln und Fisch und sind heilfroh, für einen Moment Wind und Sonne entfliehen zu können.

Hier bleiben wir hängen. Einer liest, einer spielt mit Kaya "Straße überqueren" - ein Spiel, das sie offensichtlich nicht müde wird, wieder und wieder zu spielen.

Und so kommt es, dass sich irgendwann Thomas zu uns setzt. Er hat viel zu erzählen, von sich, von seiner Zeit bei der Armee, seinem Kampf, mit den traumatischen Erinnerungen umzugehen, von einem Leben in Amsterdam als Türsteher bei den Hell's Angels, von Prügeleien und zwielichten Begegnungen, von seiner Aufgabe als Scotts Guard in London ("I kissed Princess Anne! Twice! On the mouth!"), von seinem Sohn in Jamaica... Dabei trinkt er ein Bier nach dem anderen. Er ist ein bisschen verpeilt, offensichtlich Alkoholiker, labert uns das Ohr ab - aber ich spüre, dass er ein warmherziger Mensch ist. Diskutieren kann man zwar nicht mit ihm - als er uns über die Übel des Kapitalismus belehrt und propagiert, man solle das Geld ganz abschaffen und alle sollten wieder selbstversorgend auf kleinen Stückchen Land leben, dabei jeden Einwurf mit "You don't listen to me. You don't understand what I am saying. You. Don't. Listen." abtut, werde ich unangenehm an Tommy von der "Grand Jubilee" erinnert - aber warmherzig ist er dennoch.

Wir laden ihn für morgen zum Essen an Bord ein.

Zum Abschied schenkt er Kaya ein selbstgemachtes kleines Lederetui mit Bernstein zum Umhängen. "Viking's Tear" nennt er den Stein, eine Erinnerung an seine Kultur. Für Kaya, in deren "pixie-face" er ganz verliebt ist. Morgen will er seine Gitarre mitbringen und für uns singen. Ich bin gespannt!

Der Heimweg ist deutlich schwieriger als der Hinweg. Wir stehen etwa 2 Stunden ratlos an der staubigen Straße, bis endlich ein Auto hält. Auch ein Pärchen aus Teneriffa - nette Menschen dort!

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