Morgens kommen Camille und Agathe zum Fruehstuecken. Wir alle hoffen, gemeinsam zu den Kanaren segeln zu koennen. Aber leider sind sie ein bisschen unter Zeitdruck, haben Termine einzuhalten, und wir warten immer noch darauf, dass der Zoll uns gehen laesst (siehe spaeterer Eintrag) und dass der richtige Wind kommt.
Jedenfalls machen wir heute Familientag. Ist ja schliesslich Sonntag. Nach dem Fruestueck werkeln wir gemeinsam, Camille hilft Michi mit dem Aussenbordmotor vom Schlauchboot und Agathe hilft mir beim Putzen. Das Leben auf dem Boot fuehrt einfach automatisch zu einer archaischen Rollenverteilung, da kann man nichts machen. Aber es ist auch ganz lustig so, ich plaudere auch lieber mit einer Freundin unter Deck, als am Motor rumzuschmieren. Und ebenso gilt das fuer die Maenner, die lieber basteln und tuefteln als plaudern. Passt doch.
Wir machen Essen und decken im Cockpit den Tisch - aber wo sind unsere Maenner ploetzlich? Nirgends zu sehen! Das Schlauchboot ist auch weg. Ob die heimlich nach Rabat gefahren sind? Oder zu den Kanaren durchbrennen? Nach einer ganzen Weile tauchen sie schliesslich wieder auf, etwas betroepfelt, im Schlepptau des Marinabootes. Der Aussenborder geht anscheinend doch noch nicht. Gut dass es jetzt passiert!
Zur Belohnung fuer unsere harte Arbeit goennen wir uns am Nachmittag einen Touri-Ausflug, zu dem uns auch noch die beiden Einhandsegler Philipe und Francois begleiten. Zuerst fahren wir zum koeniglichen Palast (zu sechst im Sammeltaxi, ganz marokkanisch, zwei auf dem Beifahrersitz, vier hinten, Kaya vor den Bauch geschnallt). Leider gibt es nicht viel zu sehen. Die Wachen am Eingang tragen dem Taxifahrer auf, uns im Auge zu behalten und auch gleich wieder rauszufahren aus dem Gelaende. Nur das koenigliche Eingangstor duerfen wir besichtigen, an dem bereits eine ganze Menge Touristen stehen und alle das gleiche Photo schiessen. Also gut. Wir auch.
Spannender als der Palast ist die alte Festung Chellah mit ihren grosszuegigen Gaerten. Wir schlendern durch die Ruinen der alten phoenizischen Siedlung, es duftet nach Jasmin und Grapefruit, auf dem alten Minarettturm vor uns nisten Stoerche und ueberhaupt sieht und hoert man ringsherum hunderte von klappernden und zwitschernden Voegeln. Durch die Baumwipfel entdecken wir eine ganze Kolonie Stoerche, deren Nester sich wie die Tuerme von Hanoi in den Baumstaemmen stapeln. Ein magischer Ort.
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