14.10.2010

Lonely Planet recommends...



Fruehstuecken auf der Dachterrasse inmitten der gigantischen Schlucht - das ist schon ein guter Anfang fuer den Tag. Dann geht der Roadtrip weiter, heute zurueck ueber den hohen Atlas. Gut, dass wir diese Strecke nicht noch gestern gefahren sind! Erstens ist es schoener und spannender (und weniger unheimlich) bei Tageslicht, ausserdem gilt auch fuer diese Passstrasse (so viele s in einem Wort! Cool!), dass wir uns in der Fahrtzeit mal wieder leicht verschaetzt haben. Bis nach Midelt, unserem Etappenziel, brauchen wir inklusive Still- und Wickelpausen 7,5 Stunden. Anstatt 4,5, wie wir ausgerechnet hatten.

Midelt selbst ist wenig spektakulaer, das wussten wir schon. Ist eben ein Etappenziel. Dafuer aber soll es ein nettes Hotel geben, das der Lonely Planet mit folgenden Worten beschreibt: "Tolles neues Hotel im Osten der Stadt. Gemessen am Preis (9 Euro fuers DZ mit Fruehstueck) sind die Zimmer geraeumig und wirklich hervorragend; in denen mit eigenem Bad gibt's warmes Wasser im Ueberfluss. Die Dachterrasse gewaehrt huebsche Panoramablicke und ist der perfekte Ort, um das grosszuegige Fruehstueck zu geniessen."

Schon von aussen sehen wir: neu ist dieses Gebaeude nicht. Eher...authentisch. Ueber kahle Betontreppen kommt man in einen grossen Raum, der ohne einen Anflug von Geschmack voll gestopft ist mit komischen Dingen (siehe Foto): Plastikblumen in Vasen aus Plastikholzimitat, die auf kleinen Karos aus Kunstrasen ruhen, Plastikblumengirlanden an den Durchgaengen, diverse Marokkofaehnchen und nichtidentifizierbare Pokale in kleinen hingestoppelten Kommoden, staubige, wild durcheinandergewuerfelte Teppiche, Plastikstuehle und Einzelelemente gammeliger Polstergarnituren haengen trostlos um kleine Plastiktischchen mit muffigen Tischdecken herum. Das Zimmer, das uns zugewiesen wird, sieht genauso aus. Moebel fuer den Sperrmuell, zerfetzte Gardinen an ausgeleierten Draehten. Geraeumig ja - aber hervorragend?? Wer bitte hat diesen Lonely Planet Eintrag verfasst? Von den Waenden broeckelt der Putz, das kahle Badezimmer ohne Fenster ist eine grosse geflieste Nasszelle in deren Mitte ein nackter Brauskopf Wasser zu allen Seiten nur nicht nach unten versprueht. Wer duscht, ertraenkt das gesamte Bad. Klospuelung geht auch nicht. Aber "warmes Wasser im Ueberfluss". Gelogen ist der Eintrag nicht. Zum Sonnenuntergang klettern wir ein paar weiter Betonstufen nach oben, um die Panoramaterrasse zu geniessen. Der Abendhimmel ist wirklich toll - aber die Terrasse entspricht dem sonstigen Zustand des Hauses. Wie hier jemand freuhstuecken moechte, bleibt eine ungeklaerte Frage. Was im Reisefuehrer nicht steht ist dass der aeltere Marokkaner und seine Familie, die das Hotel betreiben, sehr sympathisch und hilfsbereit sind. All das gehoert zum authentischen Travellerleben dazu! Auf jedenfall ist diese Herberge mal was anderes.

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