24.02.2015

William

Kaum bin ich angekommen, kommen verschiedene Einbäume mit Männern und Kindern. Alle wollen wissen, wer der neue Blanc ist. Die Kinder sind neugierig und hoffen auf Geschenke, die Männer bieten ihre Arbeit an. Ich gehe an Land und schaue mich um. Ich lerne William kennen, der etwas Englisch spricht, und beschließe ihm zu vertrauen.
Am nächsten Tag holt er mich und mein Fahrrad ab, leiht sich ein Fahrrad und zeigt mir etwas von der Insel.





Einen anderen Tag lädt er mich bei sich zum Essen ein. Seine Frau hat gekocht.



Da in Haiti außer Grundnahrungsmitteln praktisch nichts hergestellt wird, haben die Leute nur das, was ihnen aus dem Ausland geschenkt wird, z.B. gebrauchte Kleidung. Im Dorf gibt es kein fließend Wasser und keinen Strom. Aber es gibt hochmoderne Straßenbeleuchtung mit LEDs und Solarpanelen, vermutlich von einer NGO geschenkt. Haiti braucht die NGOs, und die NGOs brauchen Haiti.
Die Polizisten auf der Insel fahren ein neues SUV, was vermutlich von der UN geschenkt wurde. Williams Sohn fährt ein deutsches Bobbycar.



Zum Abschied schenke ich William meine alten Solarpanele. Wenn er die vor seinem Haus hinlegt, kann er damit Mobiltelefone und Laptops laden. Er möchte gerne ein kleines Internetcafé aufmachen.
Die Leute haben zwar nicht viel, aber viele haben internetfähige Telefone. Ich konnte auf der Insel auch eine lokale SIM-Card kaufen und damit ins Internet gehen. Das Mobilfunknetz funktioniert überraschenderweise so gut wie in jedem anderen Land. Bei der ersten Verbindung erhielt ich eine SMS: "Welcome to Jamaica" - damit ist dann auch klar, wer für das Mobilfunknetz veranwortlich ist.

20.02.2015

Port Morgan

Ich segle zwei Tage an der Südküste von Haiti entlang. In der Nacht ist es fast windstill, die Sterne funkeln im spiegelglatten Wasser und das Plankton fluoresziert in Bugwelle und Heckwasser, während ich unter Motor fahre. Am nächsten Tag ist die Wetterlage ein Norther, d.h. starker kalter Wind aus Norden. Hinter den hohen Bergen entlang der Küste bekomme ich davon wenig mit, nur dass sich die Wolken dramatisch über die Bergspitzen wälzen.



Am Nachmittag schiebt mich mein Motor gegen den starken Wind in die Bucht, während ein einheimischer Segler sich am Wind hochkämpft.



Ich fahre ein in Port Morgan, ein perfekt geschützter, wunderschöner kleiner Naturhafen. Ich ankere zwischen den anderen ausländischen Segelbooten, die schon da sind.









Diesen wunderbaren Hafen kannte schon der britische Pirat Henry Morgan, der im 17.Jhd hier seine Flotte versammelte, bevor er die reichen karibischen Hafenstädte der Spanier überfiel und plünderte.

18.02.2015

Isla Beata

Am frühen Morgen segle ich los.



Ich umrunde Punta Beata, den südlichsten Punkt der DomRep, und ankere vor dem idyllischen Strand der kleinen Isla Beata.







Ein letztes Mal kommen Beamte an Bord, um meine Papiere zu prüfen. Am nächsten Morgen verlasse ich das Land.

17.02.2015

Barahona

Nach vier ruhigen Tagen verlasse ich den Rio Cumayasa und fahre weiter an der Südküste der DomRep entlang.



Eine Nacht verbringe ich in der überteuerten Marina ZarPar Boca Chica, nahe der Hauptstadt Santo Domingo. Der Mitarbeiter der Marina legt mir nahe, ich möge dem Beamten, der meine Papiere prüft, ein Trinkgeld geben, das sei so üblich. Ich lehne ab, ich mag diese Trinkgeld-Kultur nicht. Ich fahre weiter und erreiche nach einem Tag und einer Nacht die provinziellen Hafenstadt Barahona, wo ich im "Yachtclub" in einem Seitenbecken des Insdustriehafens anlege.



Wie immer kommen Beamte an Bord, um die Papiere zu prüfen.





Ich erkunde mit dem Fahrrad die Stadt. Am Boot freunde ich mich mit zwei Typen an, die in der Nähe arbeiten. Einen Abend gehen wir gemeinsam in die Stadt in die Bars. Ich bezahle, selbstverständlich. Später fragen sie mich, ob ihre Schwester auch mitkommen kann. Ich sage ok, und eine Weile später kommt die ganze Familie mit Freund und Mutter dazu. Mit mir reden tut die Verwandtschaft nicht, aber erwarten selbstverständlich, dass ich alle ihre Getränke bezahle. Da wird es mir dann zu blöd und ich beende den Abend.





Ich besorge noch mit dem Fahrrad 90l Diesel in Kanistern und klariere aus der DomRep aus Richtung Haiti. Der Beamte der Hafenbehörde verlangt zwanzig US-Dollar Gebühr - ohne Quittung. Nach vier Tagen in Barahona fahre ich weiter.

09.02.2015

DomRep, Rio Cumayasa

Ich verlasse die schicke Marina, segle ein kurzes Stück und ankere bei der kleinen Isla Catalina.



Am nächsten Morgen fahre ich weiter und laufe in den friedlichen Rio Cumayasa ein.







Es scheint, dass in diesem ruhigen Fluss schon das eine oder andere Segelboot seine letzte Ruhe gefunden hat, meistens wohl aus Geldmangel.





Andererseits haben Mitglieder der einheimischen Oberschicht hier ihr Wochenend-Domizil.



In einer kleinen Steganlage miete ich für ein paar Tage einen ruhigen Liegeplatz. Preis Verhandlungssache, vermutlich habe ich zu viel bezahlt.



Aber immerhin mit 24h-Security.



Der Weg an Land führt durch ein wildes Mangrovenwäldchen.



Einen Abend verbringe ich in der Bar des Dorfes, spiele Pool mit den jungen Männern und trinke dabei eine Flasche Rum (sieht aus wie andernorts eine Bierflasche). Der nächste Tag fällt aus.

Die Repräsentanten des Staates kommen zur Durchsuchung an Bord, bevor ich wieder abfahren darf.



07.02.2015

Zahnbruch

Nach einem Monat auf St Martin lege ich ab zur nächsten Etappe, nach Westen Richtung Dominikanische Republik. Ich segle entspannt platt vor dem Wind, vorbei an der US-amerikanischen Insel St Croix.
Am Abend des zweiten Tages habe ich beim Essen ein Steinchen im Mund. Dann stelle ich fest, dass das ein Teil meines Backenzahns gewesen sein muss, denn da fehlt jetzt ein Stück. Mist, da bin ich ganz alleine auf See und habe einen gebrochenen Zahn. Was nun, wo finde ich jetzt einen Zahnarzt? Der nächste Hafen wäre auf Puerto Rico, aber das ist USA und da darf ich nicht hinfahren, denn ich habe kein US-Visum im Pass. (Mit dem Flugzeug dürfte ich wegen Visa-Waiver Program auch so einreisen, aber mit dem eigenen Schiff nicht). Da sind die Amerikaner ganz streng. Gut, wenn es ein medizinischer Notfall ist, würden sie wohl eine Ausnahme machen, aber zum Glück habe ich keine Zahnschmerzen. Der nächste legale Hafen wäre Tortola auf den British Virgin Islands, aber das sind 75 Seemeilen gegen den Wind. Also segle ich einfach weiter geradeaus, an Puerto Rico vorbei, und hoffe, dass ich keine Zahnschmerzen kriege.

Am nächsten Nachmittag kommt ein großes graues Überwachungsflugzeug im Tiefflug an mir vorbei. Ich stelle mich ans Heck und schaue ihm zu. Vermutlich haben die US-Behörden jetzt meinen Retina-Scan.



Am Tag darauf, immer noch keine Zahnschmerzen, erreiche ich wie geplant die DomRep und fahre in die Marina des riesigen Luxusresorts Casa de Campo. Nachdem man zuerst versucht, mich mit einem übergroßen Privat-Liegeplatz abzuzocken, bekomme ich doch einen angemessenen Platz zu einem vernünftigen Preis. Dann kommen fünf Beamten von fünf Behörden an Bord und kassieren insgesamt 130USD. Wieviel davon an den Staat und wieviel in ihre Taschen fließen, kann ich nicht sicher sagen.

Am nächsten Tag fahre ich mit dem Fahrrad in die nächste Stadt, und eine Zahnärztin kittet mir für wenig Geld den Backenzahn. Damit kann ich ein paar Monate weiterreisen, bis mir einer eine dauerhafte Zahnreparatur macht.

02.02.2015

St Marten

Ich miete mir einen günstigen Liegeplatz in der kleinen Marina Dock Martin in Philipsburg, der Hauptstadt des holländischen Teils der Insel, um länger hier zu bleiben.



Es stehen noch ein paar Arbeiten an, und St Martin ist das Zentrum des Yacht-Business. Hier gibt es alles von den größten Super-Mega-Yachten bis zu kleinsten Booten. Und es gibt Zubehör, Ersatzteile, Werften und Handwerker für jeden Job.

Ich suche, finde, kaufe und installiere ein neues großes Solarpanel mit passendem Laderegler. Außerdem konstruiere ich aus Stahl eine Verstärkung unter Deck für die Pütting, an der die vordere Unterwant fest ist. Das ist genau die Stelle, deren Schwäche damals in Portugal zum Mastbruch geführt hat. Und die Verstärkung, die dann dort eingebaut wurde, hat sich gelöst und es quietscht wieder im Deck, wenn das Schiff in der Welle schaukelt. Statt nach Portugal zurückzusegeln und Gewährleistung geltend zu machen, repariere ich es lieber selber hier, und zwar auf eine Art, die hält, so dass die Last korrekt auf die Schotten ableitet wird.



Außerdem freunde ich mich mit meinen Stegnachbarn an und lerne über sie andere Leute kennen. Überhaupt fühle ich mich wohl auf dieser Insel, deren Kultur eine interessante Mischung ist: ursprünglich holländisch und französisch, aber heute vor allem geprägt von Touristen und Expats aus USA und Europa, und außerdem ein paar Latinos.