10.08.2011

Unterwegs auf El Hierro

Seit Tagen telefonieren wir uns nun schon durch alle Autovermietungen der Insel (in La Restinga gibt es keine, die Büros sind alle im ca. 1 Stunde entfernten Valverde oder am Flughafen). Wir würden doch noch so gerne etwas von El Hierros Schönheit sehen - aber mit drei Bussen am Tag von und nach La Restinga ist das nicht so einfach. Und an einsame Küstenstellen zu trampen, stelle ich mir auch nicht realistisch vor, vor allem nach der letzten Erfahrung, als wir 2 Stunden an der staubigen Straße standen... Doch so viel wir auch rumtelefonieren, wir hören immer wieder den gleichen Text: Es sei Hochsaison, alle Autos vermietet, vor Ende des Monats nichts zu machen. Lo siento.

Da hocken wir nun auf unserem aufgebockten Schiff. Sitzen fest in La Restinga. Es ist nicht der schlechteste Ort, um festzusitzen. Wir machen es uns schon schön hier, gehen an den Strand, arbeiten am Boot, lungern in den Cafés rum...Doch es juckt uns in den Beinen, auch mal was anderes kennenzulernen.

Heute müssen wir nach Valverde, weil Michi zu einer Bank möchte, um Geld für ein Ersatzteil zu überweisen. Ein Bus hoppelt uns über die Serpentinen nach El Pinar, umsteigen, ein weiterer kurvt uns nach Valverde. Über eine Stunde im schuckelnden Bus. Uffz. Ziemlicher Aufwand für eine kleine Überweisung! Wenn wir doch wenigstens ein Auto hätten, denke ich - und sehe direkt vor uns, gleich neben der Bank ein Büro einer Autovermietung. "Komm, Michi, das probieren wir jetzt einfach mal. Wenn wir da persönlich vorsprechen, das süße Kind mal ins Bild halten, sieht die Lage vielleicht schon wieder ganz anders aus!" Die Dame von "Auto Bamir" ist sehr freundlich, kann uns aber nichts anbieten.
"Tut mir leid, alles ausgebucht."
"Wie schade!"
"Ja, schade."
"Wir bräuchten auch nur eins für 2 oder 3 Tage. Ein ganz kleines."
"Ich fürchte, wir haben nichts."
"..."
"Momentito."
Sie blättert in den Unterlagen, berät sich mit ihrer Kollegin.
"Na gut. Das, was vor der Tür steht, ist zu haben. 50 Euro am Tag."
Eigentlich sind wir schon drauf und dran, ihr vor Dankbarkeit um den Hals zu fallen und in den Wagen zu springen, bevor es sich jemand hier anders überlegt, aber dann bricht doch wieder die Berber-Natur in mir durch.
"Gibt es nichts Billigeres?"
"Nein, nur das."
"Aber uns würde auch ein kleineres Auto reichen, der da draußen ist eigentlich eine Nummer zu groß für uns."
Wieder Blättern, wieder Beratung.
"Na gut. Ein Polo. 26 Euro am Tag. Er wird noch sauber gemacht, steht gleich bereit. Aber ihr müsst ihn am Freitag um 11.30 Uhr wieder abgeben!"
Kein Problem.
Geht doch!

Jippieh! Nun haben wir ein Auto! Wer hätte denn damit noch gerechnet? Man muss eben persönlich vorsprechen. Und hartnäckig bleiben.

Wir genießen die überraschend neu gewonnene Freiheit, brausen aus der Stadt und kurven auf einer schmalen Straße zur Küste runter bis zu einem kleinen staubigen Parkplatz. Spektakulär liegt weiter unter uns ein in die Klippen hineingehauenes Becken, ein natürlicher Salzwasserpool, in dessen glasklarem Wasser malerisch ein paar Schnorchler dümpeln. Weiter draußen brechen sich die Wellen mit tosendem Gespritz an den Klippen. Wow! Mehrere verwinkelte Fels-Treppchen führen über diverse Plattformen, auf denen sich hier und da ein paar Ausflügler räkeln und in der Sonne brutzeln, bis zum Wasser runter. Hier machen wir kurz Pause und saugen den Ort und seine Stimmung in uns auf. Kaya schläft im Tragebeutel, Michi auf der Steinmauer. Was für eine Idylle!

Das nächste Ziel ist Pozo de Los Calcosas. Eine ähnliche Anlage, auch hier in den Fels gehauene natürliche Pools, nur dass diesmal ein kleiner Ort dabei ist. Genaugenommen gitb es zwei Orte: Einen oben, mit Kneipe und Kirche, und einen unten am Meer, den man über einen steilen Abstieg erreicht. Dieser untere Ort besteht aus ganz einfachen Hüttchen und Steinhäuschen, die sich zwischen Meer und Felsen an den Hang kuscheln und beinahe wirken, als wären sie hier gewachsen und nicht künstlich errichtet worden, so organisch geht alles ineinander über. Während ich mit Kaya im Beutel staunend durch die schmalen Gänge zwischen den Häusern gehe, mal ein geschwungenes Treppchen runter, mal über ein paar Felsbrocken wieder rauf, komme ich mir eher vor wie in einem Filmset. Kinder toben in den Pools, sonnenbadende Erwachsene strecken sich auf den Steinen am Rand, in einer großen Geweinschaftsküche wird gerade für alle gekocht. Rainbow-Style. Ein riesen Feriencamp für Familien. Mit Robinson-Flair. Total unkommerziell. Ich bin begeistert! Mein mentales Notizbuch vermerkt: Wenn wieder irgendwann nach El Hierro, dann hier wohnen!





Unsere Route führt uns weiter nach oben in die Berge, zum Aussichtspunkt "Mirador de Pena". Dieser Ort wurde gestaltet von Cesar Manrique, der offensichtlich nicht nur auf Lanzarote für die gesamte bildende Kunst zuständig war, sondern sich auch auf anderen Inseln ausgetobt hat. Vielleicht war ihm Lanzarote einfach zu klein. Hier hat er einen kleinen exotischen Garten angelegt und ein Aussichtsrestaurant entworfen, dass sich unauffällig in die Landschaft einschmiegt. Aber Manrique hin oder her - dieser Punkt wäre auch ohne menschliches Zutun umwerfend schön. Endlos weit geht der Blick von hier über die Küste El Hierros - ganz großes Kino!



Und Kaya genießt es, den kleinen Park auf eigene Faust zu erkunden...



Zum Abschluss besichtigen wir einen zweiten Aussichtspunkt, den Mirador Jinama. Von hier könnte man in etwa 2 Stunden den Berg runter nach La Frontera wandern. Dazu ist es jetzt zu spät, ist ja schon fast dunkel. Aber es ist ja auch schon schön, hier zu stehen und den Blick von oben auf die Wolken zu genießen!


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