13.08.2011

Ein Tag voller Magie

Heute muss das Auto zurück nach Valverde. Wir kommen (fast) pünktlich um 11.30 Uhr an der Autovermietung an, geben es ab und sind wieder auf uns gestellt. Kind hängt fröhlich im Beco-Carrier. Schon als wir das erste Mal in Valverde waren, war uns ein Platz aufgefallen, der aussah, als hätte ihn Escher persönlich hier hingepinselt. Dahin zieht es uns jetzt wieder und wir verbringen eine ganze Weile dort. Kaya klettert jede Treppe rauf und runter und wieder rauf und wieder runter, ich turne um sie herum, um sie im Falle eines Falles (im wahrsten Sinne) auffangen zu können, und Michi schießt ein Photo nach dem anderen. Es ist aber auch piktoresk hier!
Neben diesem magischen Platz liegt das Rathaus - auch hier gibt es noch eine Treppe zu erkunden, die Kaya nicht auslassen möchte...

Lange allerdings können wir hier nicht toben, sonst verpassen wir unseren Bus. Noch schnell ein bisschen Proviant eingekauft, dann klettern wir in den Bus und lassen uns nach San Andrés schuckeln, von wo aus wir nach einem leckeren Mittagsschmaus in einer der kleinen Dorfkneipen zur Wanderung zum "magischen Baum" aufbrechen. Der Weg ist hart, staubig und heiß - aber er lohnt sich! Nicht nur wegen der Aussichten zwischendurch und der grandiosen Blicke auf La Palma in der Ferne,...

...sondern natürlich auch für den Baum selbst. Früher kamen die Menschen hierher, um Wasser zu sammeln, das von den Blättern tropfte. Der Baum galt als magisch, weil er frisches Trinkwasser zu produzieren schien. Heute lässt sich der Prozess, den man als "horizontalen Regen" bezeichnet, leicht erklären. Wolken, Passatwind, Nebel, Verdunstung an den Blätterspitzen und so. Sehr naturwissenschaftlich, sehr nüchtern. Außerdem wurde der ursprüngliche Baum im letzten (oder sogar vorletzten) Jahrhundert von einem Sturm gefällt und vor etwa 40 Jahren durch einen neu angepflanzten ersetzt. Man könnte meinen: Was will man hier? Wo ist die Magie geblieben? Aber sobald man unter dem Baum steht, die frische, nach Wachstum und Lebensenergie duftende Luft schnuppert, sich in seinem Schatten von den Strapazen des Weges erholt, stellt sich diese Frage nicht mehr. Die Magie ist immer noch da. Genau hier. Spürbar. Kraftvoll. Belebend. Während wir noch andächtig auf dem Boden sitzen, kommt ein älteres spanisches Ehepaar dazu. Sie plaudern ein bisschen mit uns, dann gehen sie nacheinander zeremoniell auf den Baum zu, legen ihre Arme um ihn, schließen die Augen und verharren so ein bisschen in stiller Umarmung. Der Baum gäbe einem gute Energie, wenn man ihn knuddelt, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Sie spielen noch ein bisschen mit Kaya, erzählen von ihrem Enkelsohn, der gerade auf dem Parkplatz im Auto schläft, und von ihrer Tochter und dem Schwiegersohn, die dann auch gleich zum Baumknuddeln kommen werden, dann verabschieden sie sich. Im Weggehen teilen sie uns noch mit, dass sie fast 80 ist, er schon drüber. Respekt! Sie wirken jugendlich frisch und voller Leben. Ob das die Baumenergie macht? Inspiriert von den beiden, gehe ich auch mal den Baum knuddeln. Was ich mache, will Kaya natürlich auch. Kann ja nicht schaden. Tree-hugger!
Wir bleiben noch eine Weile dort, lernen noch Tochter und Schwiegersohn kennen, dann müssen wir aber mal aufbrechen, sonst verpassen wir am Ende den letzten Bus zurück nach La Restinga. Zum Glück ist noch ein kleines Tourigrüppchen am Magic-Tree, die uns auf dem Rückweg von der staubigen Straße auflesen und in ihrem Mietwagen bis nach San Andrés zurück mitnehmen. Das tut gut! Von hier trampen wir nach El Pinar, wo wir dann allerdings wieder festhängen. Macht nichts, nehmen wir eben den letzten Bus.
Noch abends in der Koje glaube ich, die stärkende Kraft des Baumes in allen Gliedern zu spüren...

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