11.04.2011

Kurze Philosophie zum Valle Gran Rey


So wie von Mallorca im Volksmund von "Malle" die Rede ist, so wird das Valle Gran Rey "Valle" genannt. Mit Doppel L. Das Valle.

Wahrscheinlich hat das mit den vielen Deutschen zu tun, die sich hier im Laufe der letzten 20 Jahre niedergelassen und ihre eigene Community gegründet haben. Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass viele von ihnen eine ähnliche Biographie haben wie die junge Frau gestern am Picknickplatz. Vor einigen Jahren, im Schnitt zwischen 8 und 12 Jahren, aus Deutschland weg, weil zu bürgerlich und zu kalt, hier das Paradies vermutet, weil nicht bürgerlich und warm, weil Palmen und Strand und Sonne und andere Hippies, dann hier Kinder gekriegt (oder wahlweise mit kleinen Kindern angereist) und hängengeblieben. Und heute sind die coolen Aussteiger von damals 10 Jahre älter, ihre Kinder sollen zur Schule gehen, aber es gibt nur die kleine Dorfschule, die keine hochqualifizierte Ausbildung ermöglicht, und langsam überlegen sie, ob sie vielleicht doch besser zurück nach Deutschland ziehen sollten. Denn irgendwie geht irgendwann das normale Leben weiter.

Die Community, die hier entstanden ist, erinnert ein bisschen, nur vielleicht in noch extremerer Exklusivität und mit weniger Geld im Hintergrund an Berlin Prenzlauer Berg. Es ist eine lustige, farbenfrohe, hippiesk-alternative Szene, aber ohne Gesellschaft drumrum. Ohne repräsentativen Querschnitt. Es fehlen die Alten und die ganz Kleinen und die Jugendlichen. Es gibt nur die Eltern um die 40 und ihre Kinder um die 10. Und vereinzelt ein paar Spanier. Auf den ersten Blick bin ich ganz verliebt in diese Welt, weil sie anders ist, lebenslustig und frei wirkt. Auf den zweiten Blick gruselt es mich ein bisschen. Der Begriff "Nachhaltigkeit" fällt mir ein und legt sich wie ein betäubender Flaum auf die Zunge.

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