

Meine Überfahrt von Sal nach Dakar hat zwei Tage und drei Nächte gedauert. Es gab wenige besondere Ereignisse. Beim Gemüseschneiden habe ich mir in den Finger geschnitten. Aber nicht so tief, dass es richtig geblutet hat, nur die Haut hat einen Schnitt, also garnicht schlimm. Etwas erkältet habe ich mich, vermutlich als ich am ersten Abend eine Weile im zugigen Cockpit in der kühlen Brise gesessen habe. Ich hüstel immer noch, aber auch das ist nicht so schlimmt. Hätte mir beides genausogut an Land passieren können.
Es sind nachts wieder etliche Fische aufs Deck geflogen. Oft habe ich von unten den Aufschlag gehört, einmal hat es an der Want Zeng gemacht. Da habe ich mich aufgerafft, bin gut angeleint aufs Deck gekrochen, habe die Fische eingesammelt und über Bord geworfen. Manchen Fischen habe ich das Leben gerettet, bei vielen war es zu spät, die waren schon vertrocknet.
Der "Yachtclub" hier (CVD, Cercle de la Voile de Dakar) ist nicht nobel, aber nett, mehr so eine Art Strandherberge für Overland- und Oversea-Traveller, mit Bar und Terasse unter Palmen. Jedenfalls lebhafter und stimmungsvoller als irgendwo in den Kapverden. Die Segler hier sind fast alles Franzosen, und alle nett.
Jetzt bin ich wieder an Bord, habe das USB-WLAN-Gerät angeschlossen und die Richtantenne auf die Yachtclub-Bar ausgerichtet. So sitze ich mit dem Computer an Bord und bin online. Ich habe mir was leckeres zu essen gemacht und bin jetzt satt und hundemüde.
Letzte Nacht habe ich nur häppchenweise geschlafen und ab 6 Uhr garnicht mehr. Um 11 Uhr war ich sicher geankert und habe erstmal etwas geschlafen. Am Nachmittag habe ich Dinghy und Fahrrad klar gemacht und bin an Land gefahren. Zum Einklarieren war es schon zu spät, aber immerhin habe ich schon mal einen Geldautomaten gefunden und Bargeld besorgt. Von den Strassen hier habe ich gleich etwas Kulturschock bekommen. Kapverden ist dagegen fast Europa. Hier ist richtig Entwicklungsland. In der Seitenstrasse, an der das Clubgelände liegt, ist von Asphalt kaum noch was zu entdecken, sie besteht überwiegend aus Sand und man fährt darin wie auf einer Saharadüne. Mein Fahrrad sieht nach 100m schon fast so sandig aus wie ein Motorrad am Ende der Rally Paris-Dakar. Auf der Hauptstrasse herrscht Verkehrschaos, mit Schwerlastwagen, Autos, Mopeds und mir. Immerhin war es nur etwa 1km bis zu einer Bank mit Geldautomat. Nach ein paar Minuten Warten wurde der sogar Betriebsbereit. Und mit mehreren Versuchen habe ich schliesslich auch Geld herausbekommen.
Morgen Vormittag steht mir eine Odyssee zu den Hafenbehörden bevor. Dann ruhe ich mich jetzt besser mal aus.
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