11.08.2011

Unterwegs auf El Hierro II

Unser zweiter Tag mit dem Auto.

Wir fahren über die Berge auf die andere Seite der Insel nach La Frontera. Vor der kleinen Dorfkirche findet just in dem Moment, in dem wir vorbeikommen, eine lebhafte Prozession statt. Tänzer in weißen Gewändern mit reich bestickten Mützen und flatternden Bändern springen zum Klang der Kastagnetten und Trommeln lebensfroh über den Platz. Eine Blaskapelle spielt auf. Heiligenfiguren werden andächtig in die Kirche getragen. Ein ergreifender und zugleich mitreißender Anblick. Am liebsten würden wir uns unter die Tänzer reihen und mit springen!

Nach einem Abstecher zu dem kleinen B&B "El Sitio", das uns bezüglich Architektur und Atmosphäre reichhaltige Inspirationen für unser eigenes zukünftiges Zuhause liefert (mein mentaler Notizblock quillt über - vielleicht muss ich mal was aufschreiben oder ein paar Zeichnungen machen...), fahren wir an die Küste. Auch hier gibt es Pools in den Felsen, dezent durch ein paar Mauern vor der Brandung geschützt. Hier plantschen wir ein bisschen und aalen uns in der Sonne. Urlaub!!



Aber so richtig lange halten wir es hier nicht aus, die Sonne brennt doch ziemlich. Wir ziehen uns in das kleine schattige Café oben an den Klippen zurück, schlürfen cortado und chillen ein bisschen mit grandiosem Blick über die Küste:

Nun aber los, schließlich haben wir uns für heute noch die Waldwanderung im Inselinneren vorgenommen. Es ist schon nach 6, als wir auf dem Parkplatz halten, der den Beginn des etwa 2-stündigen Rundwegs bildet. Und eigentlich will doch Kaya um 8 essen... Dann mal schnell! Der Wald ist märchenhaft - gut, dass wir uns noch die Zeit hierfür nehmen!



Plötzlich öffnet sich der Wald, der Weg führt kraxelig einen kleinen Vulkankrater rauf und wir können von oben in den Kegel reingucken. Das alles im tollsten Abendsonnenlicht. Nicht schlecht! Es ist auch das tollste Licht zum Fotografieren - und der tollste Wind!

Wir verplaudern uns in Spekualtionen über einen möglichen Hollywoodfilm, in dem es um ein Vulkankegelmonster geht, das alle verschlingt, die am Kraterrand ausrutschen und in den Kegel hineingeraten, und kommen dabei ohne es zu merken vom markierten Weg ab. Auf einmal gibt es keine Schilder mehr, keinen erkennbaren Pfad. Aber da vorne geht es hoch - von da hat man bestimmt eine gute Aussicht. Und tatsächlich, die haben wir!



Zum Glück hat Michi das GPS dabei und vorsorglich am Parkplatz einen Waypoint markiert. So kann man ja gar nicht verloren gehen! Wir finden ratz fatz unseren Weg wieder und kommen zum eigentlichen, offiziellen Mirador. Der ist auch nicht übel, nicht ganz so wild-romantisch wie die Stelle vorher, aber auch beeindruckend. Wir sehen noch der Sonne ein bisschen beim Versinken zu...

...dann aber endlich nach Hause. Kind hat Hunger!

10.08.2011

Unterwegs auf El Hierro

Seit Tagen telefonieren wir uns nun schon durch alle Autovermietungen der Insel (in La Restinga gibt es keine, die Büros sind alle im ca. 1 Stunde entfernten Valverde oder am Flughafen). Wir würden doch noch so gerne etwas von El Hierros Schönheit sehen - aber mit drei Bussen am Tag von und nach La Restinga ist das nicht so einfach. Und an einsame Küstenstellen zu trampen, stelle ich mir auch nicht realistisch vor, vor allem nach der letzten Erfahrung, als wir 2 Stunden an der staubigen Straße standen... Doch so viel wir auch rumtelefonieren, wir hören immer wieder den gleichen Text: Es sei Hochsaison, alle Autos vermietet, vor Ende des Monats nichts zu machen. Lo siento.

Da hocken wir nun auf unserem aufgebockten Schiff. Sitzen fest in La Restinga. Es ist nicht der schlechteste Ort, um festzusitzen. Wir machen es uns schon schön hier, gehen an den Strand, arbeiten am Boot, lungern in den Cafés rum...Doch es juckt uns in den Beinen, auch mal was anderes kennenzulernen.

Heute müssen wir nach Valverde, weil Michi zu einer Bank möchte, um Geld für ein Ersatzteil zu überweisen. Ein Bus hoppelt uns über die Serpentinen nach El Pinar, umsteigen, ein weiterer kurvt uns nach Valverde. Über eine Stunde im schuckelnden Bus. Uffz. Ziemlicher Aufwand für eine kleine Überweisung! Wenn wir doch wenigstens ein Auto hätten, denke ich - und sehe direkt vor uns, gleich neben der Bank ein Büro einer Autovermietung. "Komm, Michi, das probieren wir jetzt einfach mal. Wenn wir da persönlich vorsprechen, das süße Kind mal ins Bild halten, sieht die Lage vielleicht schon wieder ganz anders aus!" Die Dame von "Auto Bamir" ist sehr freundlich, kann uns aber nichts anbieten.
"Tut mir leid, alles ausgebucht."
"Wie schade!"
"Ja, schade."
"Wir bräuchten auch nur eins für 2 oder 3 Tage. Ein ganz kleines."
"Ich fürchte, wir haben nichts."
"..."
"Momentito."
Sie blättert in den Unterlagen, berät sich mit ihrer Kollegin.
"Na gut. Das, was vor der Tür steht, ist zu haben. 50 Euro am Tag."
Eigentlich sind wir schon drauf und dran, ihr vor Dankbarkeit um den Hals zu fallen und in den Wagen zu springen, bevor es sich jemand hier anders überlegt, aber dann bricht doch wieder die Berber-Natur in mir durch.
"Gibt es nichts Billigeres?"
"Nein, nur das."
"Aber uns würde auch ein kleineres Auto reichen, der da draußen ist eigentlich eine Nummer zu groß für uns."
Wieder Blättern, wieder Beratung.
"Na gut. Ein Polo. 26 Euro am Tag. Er wird noch sauber gemacht, steht gleich bereit. Aber ihr müsst ihn am Freitag um 11.30 Uhr wieder abgeben!"
Kein Problem.
Geht doch!

Jippieh! Nun haben wir ein Auto! Wer hätte denn damit noch gerechnet? Man muss eben persönlich vorsprechen. Und hartnäckig bleiben.

Wir genießen die überraschend neu gewonnene Freiheit, brausen aus der Stadt und kurven auf einer schmalen Straße zur Küste runter bis zu einem kleinen staubigen Parkplatz. Spektakulär liegt weiter unter uns ein in die Klippen hineingehauenes Becken, ein natürlicher Salzwasserpool, in dessen glasklarem Wasser malerisch ein paar Schnorchler dümpeln. Weiter draußen brechen sich die Wellen mit tosendem Gespritz an den Klippen. Wow! Mehrere verwinkelte Fels-Treppchen führen über diverse Plattformen, auf denen sich hier und da ein paar Ausflügler räkeln und in der Sonne brutzeln, bis zum Wasser runter. Hier machen wir kurz Pause und saugen den Ort und seine Stimmung in uns auf. Kaya schläft im Tragebeutel, Michi auf der Steinmauer. Was für eine Idylle!

Das nächste Ziel ist Pozo de Los Calcosas. Eine ähnliche Anlage, auch hier in den Fels gehauene natürliche Pools, nur dass diesmal ein kleiner Ort dabei ist. Genaugenommen gitb es zwei Orte: Einen oben, mit Kneipe und Kirche, und einen unten am Meer, den man über einen steilen Abstieg erreicht. Dieser untere Ort besteht aus ganz einfachen Hüttchen und Steinhäuschen, die sich zwischen Meer und Felsen an den Hang kuscheln und beinahe wirken, als wären sie hier gewachsen und nicht künstlich errichtet worden, so organisch geht alles ineinander über. Während ich mit Kaya im Beutel staunend durch die schmalen Gänge zwischen den Häusern gehe, mal ein geschwungenes Treppchen runter, mal über ein paar Felsbrocken wieder rauf, komme ich mir eher vor wie in einem Filmset. Kinder toben in den Pools, sonnenbadende Erwachsene strecken sich auf den Steinen am Rand, in einer großen Geweinschaftsküche wird gerade für alle gekocht. Rainbow-Style. Ein riesen Feriencamp für Familien. Mit Robinson-Flair. Total unkommerziell. Ich bin begeistert! Mein mentales Notizbuch vermerkt: Wenn wieder irgendwann nach El Hierro, dann hier wohnen!





Unsere Route führt uns weiter nach oben in die Berge, zum Aussichtspunkt "Mirador de Pena". Dieser Ort wurde gestaltet von Cesar Manrique, der offensichtlich nicht nur auf Lanzarote für die gesamte bildende Kunst zuständig war, sondern sich auch auf anderen Inseln ausgetobt hat. Vielleicht war ihm Lanzarote einfach zu klein. Hier hat er einen kleinen exotischen Garten angelegt und ein Aussichtsrestaurant entworfen, dass sich unauffällig in die Landschaft einschmiegt. Aber Manrique hin oder her - dieser Punkt wäre auch ohne menschliches Zutun umwerfend schön. Endlos weit geht der Blick von hier über die Küste El Hierros - ganz großes Kino!



Und Kaya genießt es, den kleinen Park auf eigene Faust zu erkunden...



Zum Abschluss besichtigen wir einen zweiten Aussichtspunkt, den Mirador Jinama. Von hier könnte man in etwa 2 Stunden den Berg runter nach La Frontera wandern. Dazu ist es jetzt zu spät, ist ja schon fast dunkel. Aber es ist ja auch schon schön, hier zu stehen und den Blick von oben auf die Wolken zu genießen!


09.08.2011

Auf Stelzen


Da wohnen wir jetzt wieder! Ein bisschen unheimlich ist es schon... Zum einen, weil man immer erst die Leiter raufklettern muss (mit Kind unterm Arm), zum anderen, weil es doch manchmal ganz schön pustet. Hoffentlich halten die Stangen!

Komischer Anblick, so ein Boot auf dem Trockenen. Wie ein gestrandeter Wal. Ich glaube, Padma muss bald wieder ins Wasser.

Aber erst wird sie noch richtig gut gestrichen! Michi gibt alles, trotz widriger Umstände (Wind pustet Materialien weg, Lösungsmittel verdunstet sofort, Farbe trocknet an der Rolle in nullkommanix ein und lässt sich nicht mehr streichen...), pinselt das Unterwasserschiff mehrfach an und zieht sogar den roten Streifen an der Wasserlinie nach. Schick!

06.08.2011

Party on!


Kaya macht jeden Tag Party im Innenhof von "Casa Kai". Auch, wenn wir heute aus dem Appartment raus mussten (schnüff!!) und ab jetzt wieder auf dem Boot wohnen, darf sie weiterhin hier spielen. Gut so! Sie würde es sonst sehr vermissen. Immer, wenn wir unten am Eingang vorbeigehen, biegt sie zielstrebig ab, stapft den kleinen Gang entlang, klettert eifrig die Treppe rauf, und tapst - taps taps taps - ohne sich einmal umzudrehen, ob wir auch mitkommen, direkt in den Hof und auf das kleine Häuschen zu.

Wir machen auch Party! Heute Abend in der Pizzeria mit Lionel (unserem Geburtstagsgast), Jaques und Fabienne mit ihrem Sohn Leon (einer französischen Familie, die seit Jahren vor allem in Afrika unterwegs ist) und dem lustigen Rasta Alejandro, der hier lebt und jeden kennt und immer strahlt, wenn man ihm begegnet. Ein guter Abend! Leon und Kaya spielen ausgelassen unter den Stühlen, wir trinken Wein und plaudern. Und obwohl auch viel französisch und spanisch gesprochen wird und ich mich zeimlich bemühen muss, nicht den Faden zu verlieren, genieße ich den Abend trotzdem sehr. Interessante Menschen!

04.08.2011

Sonnenaufgang über den Klippen von La Restinga



Mein Geburtstag


Als ich morgens durch den Glasperlenvorhang trete, ist die Küche schon mit Luftballons geschmückt. Auf dem Tisch liegen Geschenke, ein Kerzchen brennt. Wie kuschelig! Michi steht (und wer ihn kennt, weiß, was das für ihn bedeutet!) mit Kaya und mir auf und macht Frühstück für alle.

Dann gehen wir zum Strand. Kaya tapst nackt durch den schwarzen Sand, klaut hier und da von anderen Kindern Sandspielzeug, (allerdings klauen die anderen Kinder auch bei ihr, da müssen wir nachher gut gucken, dass alle Dinge wieder ihr rechtmäßiges Zuhause finden!), Michi übernimmt die Kinderaufsicht und ich gehe entspannt eine Runde schwimmen. Wow! Ist das mal schön! Das kenne ich schon fast gar nicht mehr, so ganz alleine für mich zu sein, ohne immer ein Auge beim Kind haben zu müssen. Mentale Notiz: Öfter mal Kaya an Michi abgeben! Irgendwie hat es sich so eingependelt, dass ich vorrangig Kayadienst mache, da Michi ja so viel Arbeit am Boot hat. Das Problem daran ist, dass die 24/7-Kinderaufsicht echt an den Nerven zerrt. So süß und eigentlich wirklich unkompliziert Kaya ist, so viel sich auch völlig zufrieden alleine beschäftigen kann, es heißt doch immer, mit mindestens Dreiviertel der Aufmerksamkeit bei ihr zu sein. Da kann man nichts anderes richtig machen. Vor allem nichts in Ruhe für sich selbst. Und abends kommt irgendwann, wenn sie um 23 Uhr immer noch nicht schläft und noch turnen möchte, die Erschöpfung und der Frust. So geht das nicht weiter, wir sind doch zu zweit!

Jedenfalls ist dieser Vormittag am Strand super. Als ich vom Schwimmen komme, zeichnen wir uns ein Mühlespiel in den Sand und spielen mit schwarzen und roten Steinchen Mühle. Kaya tapst um uns rum und sortiert diverses Sandspielzeug immer wieder neu. Wem zum Teufel gehörte denn jetzt was? Egal, Hauptsache, die Kinder haben Spaß. Und den haben sie! Bei dieser Idylle ist es gar nicht ganz so schlimm, dass Michi die Partie gewinnt. Ich bin sowas von glücklich, das geht auf keine Kuhhaut.

Den heißen Nachmittag verbringen wir, wie immer, drinnen im kühlen Häuschen. Michi versucht sich trotz aller Widrigkeiten an einem Kuchen. Das ist gar nicht so leicht, immerhin haben wir weder einen Ofen, noch ein Rührgerät, noch eine vernünftige Schüssel da. Aber er besteht darauf, mir einen Geburtstagskuchen zu backen. Also mengt er geraspelte Karotten, Mehl, Eier, Zucker, Vanille und backt einen Carrotcake - in der Bratpfanne.

Tädäh! Pan-Cake!

Und abends haben wir dann sogar einen Geburtstagsgast: Lionel aus Frankreich, der mit seinem Boot auch gerade auf dem Trockenen steht, begegnet uns im Café und wird prompt zum Abendessen ins Häuschen eingeladen. Kaya ist auf den ersten Blick verliebt und schleppt ihm alle ihre Duplosteinchen an, die er fröhlich entgegennimmt. Dabei erklärt er alles, was er tut, deutlich auf Französisch. Michi kocht derweil leckerste panierte Pilzchen (die wie Wienerschnitzel schmecken, nur besser) mit Kartoffelbrei und Rotkraut. Yum!

Schöner Geburtstag!

Beim Aufräumen stellen wir fest, dass zwar all unser Sandspielzeug noch da ist - aber dass wir plötzlich ein Paar Schwimmflügel mehr haben als vorher... Ähm... Hmpf.

02.08.2011

Kayas neues Häuschen


Im Innenhof der Pension hat auch Kaya ein eigenes Haus gefunden. Mit Küche und Waschmaschine. Mit Tür zum selber Auf- und Zumachen und mit Fenstern zum Rausgucken. Und mit so vielen anderen Kindern, die sich alle darum reißen, Kayas Aufmerksamkeit zu erhaschen. Was für ein perfektes kleines Paradies hier!