07.03.2012

Los geht's

Alles ist bereit. Die ToDo-Liste ist abgearbeitet. Alles ist installiert, repariert, gewartet, getestet, geschmiert, gesäubert. Vorräte an Nahrung, Wasser, Diesel sind komplett. Im Pass habe ich den Ausreisestempel.

Ab Donnerstag ist wieder Wind aus der richtigen Richtung. Donnerstag morgen fahre ich mit der Flut aus dem Fluss heraus aufs Meer. Dann geht es eine Woche lang nach Westen, eine Halse, und dann eine Woche lang nach Süden, bis kurz hinter den Äquator. So komme ich, inshallah, zum brasilianischen Tropenparadies, der Insel Fernando de Noronha.

Wind und Welle werden eher sanft, laut Vorhersagen. Ich habe genug zu lesen dabei. Ich hoffe nur, ich kriege auch genug Schlaf. Mir ist etwas flau im Bauch. Wie vor einer wichtigen Prüfung. Es ist ja auch eine Art Prüfung. Aber ich weiss, dass ich mich gründlich vorbereitet habe, und eigentlich nichts schief gehen kann. Also, dann los.

03.03.2012

Limbo

Am Samstagabend gibt es im Campement eine Trommelparty. Unter dem Dach wo sonst gegessen wird, werden die Tische und Stühle weggeräumt. Entlang einer Wand sitzen ein halbes Dutzend Männer mit Djembes und trommeln heisse Rhythmen. Der Rest tanzt und hat Spass. Das ist keine langweilige Folkloreveranstaltung für Touristengruppen, sondern einfach Party, alle zusammen. Es sind vielleicht drei mal soviele Afrikaner wie Europäer dabei - vor allem die jungen Männer, die im Campement arbeiten, und ein paar Gäste von zwei Nachbardörfern. Die gute Laune wird auch beflügelt vom Palmwein. Auf dem Boden steht eine blaue Plastikschüssel, darin eine weisse Flüssigkeit, und zwei langstielige Holzlöffel. Wer will, schnappt sich jederzeit einen Löffel und trinkt daraus das alkoholische Gesöff, das ungefähr schmeckt wie Federweisser gemischt mit Tapetenkleister. Ich nehme ein paar Schluck und lass es dann gut sein.

Zum Höhepunkt des Abends gibt es einen Limbo-Wettbewerb: Zwei Männer halten ein zum Seil zusammengedrehtes Tuch, die anderen müssen darunter durch hüpfen, ohne es zu berühren, und zwar rückwärtsgebeugt, mit dem Bauch nach oben also. Das kenne ich, habe es aber noch nie richtig probiert. In der Proberunde falle ich auch prompt auf den Po. Aber dann habe ich den Trick irgendwie raus, und schaffe es, weit zurückgebeugt, die Balance zu halten. Ein paar Runden, und ehe ich mich versehe, bin ich im Finale! An dem sehr tief gehaltenen Seil, scheiter ich dann aber doch. Mein Mitfinalist aber auch! Also noch eine Runde. Körper ganz gedehnt, aber sehr vorsichtig rutsche ich ganz knapp unter dem Seil durch und habe es geschafft. Ich bin der Champion! Jetzt weiss ich, wofür jahrelanges Yogatraining gut war. Oder lag es einfach daran, dass die ganze Konkurrenz ihre Körperbeherrschung dem Palmwein geopfert hat? Als ersten Preis bekomme ich ein T-Shirt mit Palmen drauf und Schriftzug "Campement Villageois d'Elinkine". Ein schönes Souvenir.

02.03.2012

Elinkine

Die Reise geht weiter, zurück Richtung Meer. 8 Stunden flussabwärts (davon nur eine Stunde gesegelt, weil sonst kein Wind) bringen mich nach Elinkine, dem Fischerort an einem breiten Seitenarm des Flusses. Ich ankere 30m vor dem schmalen Strand des "Campement", wie die hier üblichen einfachen Touristenanlagen heissen. Touristen gibt es wenige, aber WLAN Internet hat es hier. Damit habe ich wieder alles an Bord, was ich brauche. Die Windvorhersage, die ich mir herunterlade verspricht Flaute und Gegenwind, also bleibe ich noch ein paar Tage, und warte, bis der Passatwind wieder stetig bläst.






Das Wahrzeichen des Orts ist der grosse Fromager-Baum, an einem zentralen Platz, nahe am Ufer. Der dicke, alte Baumstamm hat ein deutlich erkennbares Gesicht, mit Augen und Nase.

26.02.2012

ÖPNV

Das ist ein Omnibus-Kanu.


Das ist ein Fischerei-Kanu.


Und das ist ein VIP-Kanu.

25.02.2012

Didier

Das ist Didier Ndecky. Er bietet seine Dienste für Yachten an. Er hat für mich den Dreck und die Algen vom Rumpf an der Wasserline geschrubbt, die sich in Dakar angesetzt hatten. Das hat er zügig und gut erledigt und hat überhaupt einen vertrauenserweckenden Eindruck gemacht. Freundlich, zuverlässig und preisgünstig.


Als ich also beschloss, nach Deutschland zu fliegen, und Padma in Ziguinchor vor Anker zu lassen, war mir klar, dass es besser ist, einen Wachmann an Bord zu haben. Didier war sofort und gerne bereit, das zu machen. Also habe ich ihm den Schlüssel anvertraut, ihm im Salon das Bett gemacht, und gehofft, dass alles gut geht.

Didier ist 35, und wohnt mit seiner Mutter und dem Rest der Familie auf der anderen Seite der Stadt. Er hat drei Geschwister von seiner Mutter, aber zwölf von seinem Vater, der drei Frauen hatte. Die Familie ist katholisch, die Frauen hatte sein Vater nacheinander, nicht gleichzeitig. Wegen einem Fehler bei der Dateneingabe vor langer Zeit, heisst er "Didien" auf  seinem Personalausweis, Führerschein, Wahlkarte und alle offiziellen Dokumenten.

Wenn er nicht gerade Seglern hilft, dann arbeitet Didier in einer Fabrik, wo die Krabben, die die Fischer aus dem Fluss holen, gewaschen, eingefroren und für den Export verpackt werden. Aber da verdient man sehr wenig. Mehr verdient er, wenn er einer Yacht bei Ebbe das Unterwasserschiff reinigt. Mir hat er ausserdem noch geholfen, Wasser zu tanken (vom Hahn am Hotel-Steg in meine Kanister). Und er half mir, von der Tankstelle in Kanistern Diesel zu holen und mit dem Taxi zum Fluss zu bringen.



Didiers grosser Bruder arbeitet als Wachmann vor einer Bankfiliale, die ganze Nacht. Die Frau des Bruders hat mir die Wäsche gewaschen. Die beiden haben zwei kleine Kinder. Ich habe ihnen eine Tüte mit alten, kleinen Anziehsachen von Kaya geschenkt. Die passen ihrem einjährigen Mädchen perfekt. Und über eine Tüte mit Duplos und anderen Spielsachen von Kaya haben sie sich auch sehr gefreut.

Von den 180 Euro, die Didier von mir für 5 Wochen Wache auf Padma bekommen hat, hat er zuerst einen Sack Reis für die ganze Famile gekauft. Da waren alle froh und satt. Und er hat sich für 60 Euro ein gebrauchtes Fahrrad gekauft. Damit braucht er 20 Minuten von zu Hause zum Fluss.

22.02.2012

Zurück

Nach 5 Wochen komme ich zurück und stelle erleichtert fest, dass an Bord alles beim alten ist und nichts schlimmes passiert ist.

Nina und Kaya bleiben erstmal in Deutschland. Ich segel alleine nach Brasilien, parke das Boot irgendwo sicher, fliege zurück und bin den Sommer in Deutschland. Das ist der Plan.

20.02.2012

Karneval

Ursprünglich wollte ich ja zum Karneval in Brasilien sein. Aber jetzt war ich dafür beim Kinderkarneval in Giessen-Allendorf.


Da gibt es auch süsse Häschen im Kostüm.