01.12.2011

Strangers in the night

Alles gut gegangen! Wir sind da! Boavista liegt mit sanften, weißen (!) Sanddünen und türkisblauem Wasser vor unserem Bug, der Anker ist fest, neben uns ragt die kleine Insel Ilheu de Sal Rei aus dem blitzenden Meer. Jetzt können wir aufatmen und uns erholen. Ich liebe diesen Moment!

Eigentlich verlief die Fahrt gut und unspektakulär. Der einzige Augenblick, in dem uns beiden ein bisschen das Herz in die Hose gerutscht ist, war, als nachts um 4 etwa ein ziemlich beeindruckend großes Frachtschiff in weniger als 0,5 Meilen hinter unserem Heck vorbeiknatterte. Es war meine Wache. Ich hatte die Lichter gesehen, sobald sie am Horizont zu erkennen waren (stockfinstere Nacht, kein Mond, etwas diesig) und sie brav mit dem Fernglas im Auge behalten. Aufgabe in einem solchen Fall ist es, die Peilung zu beobachten. Im Fernglas ist ein Kompass eingebaut. Wenn die fremden Lichter ihre verhätnismäßige Position zu uns nicht verändern, also immer im gleichen Winkel bleiben, heißt das: Kollisionskurs. Kollisionskurs heißt: Skipper wecken. Ich zögere noch ein paar Minuten, gucke wieder und wieder durchs Glas und versuche, ganz sicher zu gehen, dass ich Michi nicht umsonst wecke. Der braucht ja auch seinen Schlaf. Aber nichts zu machen. Peilung steht. Und der andere ist groß, das ist an der Anordnung der Lichter ebenfalls zu erkennen. Michi ist prompt zur Stelle, zögert aber auch noch ein bisschen, was nun am besten zu tun ist. Um unseren Kurs zu ändern, ist es eigentlich schon zu spät, da hätte ich ihn früher wecken müssen. Bei solchen Situation sind ein paar Minuten ziemlich entscheidend. Während wir noch überlegen, erkennen wir, dass der andere abdreht. Statt rotem Lichtchen sehen wir nun ein grünes, was bedeutet, wir sehen nicht mehr seine Backbordseite, sondern Steuerbord. Er wird hinter uns vorbei gehen. Uff! Wir starren in die Nacht und beobachten die Lichter, die nun ganz rasch größer werden, bis wir das ganze, in der Dunkelheit gespenstisch wirkende Schiff in ungemütlicher Nähe hinter uns vorbeiziehen sehen. Das Leben auf See ist existentiell - daran gibt es nichts zu diskutieren. Aber wir haben es mal wieder geschafft. Dem Tod von der Schippe gehüpft und in den türkisen Gewässern vor Boavista gelandet. Eins spricht auf jeden Fall für diese Art des Reisens: Man nimmt das Erreichen eines neuen Zieles nicht als selbstverständlich hin. Dementsprechend intensiviert ist das Erleben des Ankommens. Aber ich merke auch: Ich freue mich auf die Abenteuerpause. Meine Nerven wollen einfach mal ausruhen.

30.11.2011

Die Ruhe vor dem Törn

Heute soll's weitergehen mit Ziel Boavista. Da wir etwa 16-20 Stunden für die Fahrt rechnen, ist der Plan, gegen 15 Uhr zu starten, um nicht zu früh anzukommen. So können wir noch einen entspannten Morgen im Cockpit genießen...


29.11.2011

Noch ein Abendessen mit Kindern

Es gibt eine Seglervereinigung, die sich "TransOcean" nennt. An vielen schönen Plätzen der Welt, die sich per Boot erreichen lassen, leben sogenannte Stützpunktleiter von TransOcean. Sie kümmern sich um neu angekommene Segler, kennen die örtlichen Gegebenheiten und Bräuche, wissen, wo man Ersatzteile oder Hilfe bei Reperaturen bekommen kann und bieten ihre Gastfreundschaft an. Benno auf La Palma ist ein solcher Stützpunktleiter. Milan (Mindelo) war es, als er noch auf Maio lebte. Auf Sao Nicolau gibt es auch einen.

Wir hatten schon von einem anderen Seglerpärchen erfahren, dass es ihn irgendwo hier auf der Insel geben müsse, dass er Holländer sei und eine Art Restaurant hier hätte, dass sie aber noch nicht herausfinden konnten, wo das denn genau wäre und dass die Bilder aus dem TransOcean-Magazin auch keine Aufschlüsse darüber vermuten ließen. Aha. Heute lernen wir ihn kennen.

Mathieu, den wir mittags im Internetcafé treffen, erzählt uns, dass sie alle heute Abend in einem ungewöhnlichen Restaurant zum Abendessen verabredet seien. Ob wir nicht mitkommen wollten. Klar wollen wir! Da müsse man allerdings reservieren - es sei wirklich ein sehr ungewöhnliches Restaurant. Also gehen Michi, Kaya und er los, um zu reservieren, während ich in Ruhe emails schreiben kann (auch mal schön, dazu kommt man ja sonst wirklich fast nie!).

Zum Internetcafé: Der Ort Tarrafal ist ein verschlafenes Nest. Als wir am Sonntag unseren ersten Erkundungsgang hier machten, waren wir ein bisschen frustriert von dem absoluten Nichts, das einen hier umgibt. (Die Tatsache, dass es Sonntag war, hat nicht gerade geholfen). Breite Kopfsteinpflasterstraßen, menschenleer. Überall Glasscherben, Plastikdeckel, Zigarettenkippen. Ab und an ein Hund in der flirrenden Hitze. Staubig. Der dunkle Strand, in den der Ort übergeht, ist wenig einladen. Zu heiß zum Barfußlaufen, zu viel Müll überall. Der einzige Lichtpunkt ist das Café "Golfinho", das aus dem staubigen, schmuddeligen Rest wie ein kleines Juwel herausragt. In bunten Farben leuchtend, einen großen Delphin als Wahrzeichen über der Eingangstreppe, mit Pflanzen umrankt zieht es schon von Weitem die Aufmerksamkeit auf sich. Am Sonntag war es zu unserer großen Enttäuschung leider geschlossen. Aber nun ist es offen und bleibt, auch an gewöhnlichen Wochentagen, der einzig interessante Anlaufpunkt hier. Nicht zuletzt auch wegen der drei Computer, die in einer abgetrennten Ecke stehen und mit der Welt verknüpft sind.

Als Michi und Mathieu zurückkommen (alles klar, alles reserviert), kommen auch Ester, Brian und die Kinder rein, ebenso zwei weitere französische (Segler-)Familien mit Kindern. Sehr gesellig, so ein Internetcafé! Lange plaudern können wir allerdings nicht, denn wir wollen ja nochmal zum Boot und uns schick machen. Und das bedeutet: zum Dinghy laufen, Kaya in die Schwimmweste packen, mit dem Dinghy quer durch die Ankerbucht tuckern, an Bord frisch machen, zurück tuckern, Dinghy wieder gut festknoten. Das braucht Zeit. Also los!

Wir sind auch schlussendlich gerade so noch in der Zeit. Alle anderen sind bereits da, als wir mit Kaya im Arm die wohnliche Terrasse direkt am Strand betreten. Wow! Was für ein Ort! In der lauen Abendluft sitzen wir an einer langen, elegant gedeckten Tafel, die Kinder toben um uns herum, niedrige Mauern halten sie davon ab, zu weit weg zu rennen, in der Dunkelheit ist die nahe Brandung zu hören. Es wird ein großartiges Essen aufgetischt, Wein wird serviert - wenn man es nicht besser wüsste, könnte man sich auf einer Strandhochzeit wähnen. Oder auf einem edlen Kindergeburtstag, das passt eher zu dem Gewusel um uns herum. :)

Und obwohl es ganz ganz toll hier ist - irgendwann werden die Kinder müde und wir müssen schweren Herzens aufbrechen. Lustig, wie alle nach und nach in ihre Schlauchboote klettern, das kleine Gewusel in Schwimmwesten, in jedem Boot eine Stirnlampe, und wie die kleinen Lichtchen bald durch die dunkle Bucht schwanken, jedes zu seinem eigenen Schiff. Ich werde euch vermissen!

Abendessen mit Kindern

Mathieu und Stefanie kommen mit Tom und Robinson zum Abendessen. Hier ist ja plötzlich was los an Bord! Die Kinder toben auf dem Salonsofa wie kleine Äffchen und machen auch etwa so viel Krach. Ein bisschen anstrengend - aber auch so lebendig! Ich bin glücklich.

Und Kaya scheint ein bisschen in Robinson verliebt...


Mathieu, Robinson, Kaya (von oben nach unten):


Stefanie und Tom:

28.11.2011

Bunte Boote in blauer Bucht





Ausflug in die Berge von Sao Nicolau

Lustiger Weise treffen wir bekannte Gesichter hier wieder: Brian und Ester mit ihren beiden Kindern, die mit uns in Tarrafal auf Santo Antao ankerten, und Mathieu und Stefanie mit zwei Kindern in ähnlichem Alter, die hinter uns in Mindelo ankerten, mit denen wir aber noch nicht viel Gelegenheit hatten zu sprechen.

Jetzt sind alle wieder hier! So viele Kinder! Heute fahren wir alle gemeinsam zum Wandern in die Berge. Das heißt, leider nicht ganz alle, da Esters Tochter krank ist und die beiden daher an Bord bleiben müssen. Wir anderen, fünf Erwachsene und vier Kinder, steigen vormittags in ein Aluguer, das uns zum Beginn eines Wanderwegs bringen soll.

Gute Sicht auf die Ankerbucht von hier oben! Padma ist der zweite Mast von rechts, zwischen den beiden Katamaranen.


Im Aluguer gibt es privilegierte Plätze drinnen (für Mütter mit kleinen Kindern)...


...und zugige Plätze draußen für harte Männer und harte Söhne.


Am Aussichtspunkt.


Von hier können wir den Pfad schon sehen, der uns runter nach Ribeira Brava bringen soll. Etwa eine Stunde Laufzeit, schätzen unsere Freunde. Das klingt ja überschaubar. Wir laufen guten Mutes los und genießen die spektakuläre Landschaft um uns herum.


Gruppenphoto.


Unterwegs gibt es lauter spannende Dinge zu sehen. Vor allem die Tierwelt fasziniert uns.


Allerdings zieht sich der Weg dann doch deutlich länger hin, als erwartet. Da müssen wir uns erstmal stärken. Und da der Ort noch ein gutes Stück zu Fuß entfernt ist, gibt es einen Imbiss an der Straße.


Nach ausgiebigem Picknick trampen wir auf einem Pickup runter bis Ribeira Brava. Kaya hockt neben mir auf der Ladefläche, vom Fahrtwind zerzaust, und guckt etwas verblüfft. Tom und Merlyn, gut gehalten zwischen Brian und Michi, strahlen: Die Pickupfahrt ist ziemlich sicher ihr persönliches Highlight heute. Ich bin auch begeistert. Mit fünf Erwachsenen und vier Kindern zu trampen - das muss einem erstmal einer nachmachen!

In Ribeira Brava spazieren ein bisschen rum, trinken Kaffee, toben mit den Kindern und besichtigen die Sehenswürdigkeiten (davon gibt es nicht viele, genau genommen nur die Markthalle und die Kirche).


Dann geht es per Aluguer wieder zurück nach Tarrafal. Schön war das! Schade nur, dass wir nicht mehr Zeit miteinander haben werden. Bald werden sich wieder alle in die verschiedenen Windrichtungen verstreuen. Daran werde ich mich wohl nie richtig gewöhnen.

27.11.2011

Badespaß

So darf der Tag auch mal beginnen. Wir binden Kayas Schwimmreifen ans Boot und los geht das Plantschvergnügen.








Was die Bilder nicht zeigen, ist der Spaß, den alle Beteiligten haben, als Michi die Leine ganz lang rauslässt, ich mit Kaya vom Boot wegstrampel und er uns anschließend mit Schwung zurückholt. Wie Wasserskifahren ist das!