02.10.2012

Dienstags in Salvador

Heute wird erstmal geraeumt. Urspruenglich, bevor ich zum ersten Mal an Bord war, hatte ich mit Segeln assoziiert: an Deck liegen und Delphine beobachten, unter Palmen in Haengematten liegen und Cocktails schluerfen, Sonnenuntergaenge gucken... Pustekuchen! Klar, irgendwann zwischendurch macht man das vielleicht auch mal - aber ein grosser Teil der Zeit wird aufs Raeumen verwendet. Nachdem Padma nun etwa ein halbes Jahr alleine war, gilt es, alle Faecher auszuraeumen und zu reinigen und alle Stoffe zu waschen, die ziemlichen Muff aufgesogen haben in der Zeit. Michi hat schon gute Vorarbeit geleistet, trotzdem gibt es noch viel zu tun fuer uns. Wir sortieren Waesche, putzen und schrubben, verstauen Lebensmittel, verpacken Stoffe luftdicht in Tueten und versuchen, das Boot einigermassen gemuetlich zu machen. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell auf so kleinem Raum alles ungemuetlich werden kann!

Kaya hilft auch mit beim Raeumen - und entdeckt dabei zwei Babyschnuller von sich, die sie frueher immer abgelehnt hatte. Jetzt gibt es nichts Spannenderes. "Wo mein Nuller?", ist ab nun die haeufigst vernommene Frage. Mit Adleraugen verfolge ich die Aufenthaltsorte der beiden Schnullerchen.

Mit Kind reisen ist immer wieder neu und stellt die Begleiter vor immer neue Herausforderungen. Jetzt, wo Kaya klettern und toben kann (und will!) und vor allem auch gerne alles alleine machen moechte, hat die Aufgabe der Beaufsichtigung an Bord eine neue Stufe erreicht. "Ich muss was arbeiten," sagt sie und klettert an Deck. "Du nicht!", ruft sie mir zu, wenn ich hinterher klettern moechte, um ein Auge auf sie zu haben. "Die Mama muss unten bleiben!" Uff! Aber, was ich mit Freude beobachte, sie macht alles, was sie tut, mit viel Vorsicht und grosser Aufmerksamkeit. Rueckwaerts den Niedergang runterzuklettern, hat sie bereits am ersten Tag verstanden. Wahrscheinlich kann sie schon viel besser alleine auf sich aufpassen, als ich oft glauben mag. Meine Augen bleiben sicherheitshalber trotzdem so weit es geht auf ihr. Auch wenn ich darauf achten muss, dass sie es nicht so merkt...

Zur Belohnung geht es heute nach dem Raeumen wieder in die Altstadt, wo wir mit Nico verabredet sind. Nico lebt hier, schreibt unter anderem auch fuer Dumont den Reisefuehrer Brasilien und entpuppt sich als sehr unterhaltsame Gesellschaft. Schoen, solche Kontakte zu haben, wenn man irgendwo fremd und neu ist (danke, Marco!). Wir lungern erst lange in dem Sonnenuntergangs-Café rum, in dem wir auch gestern schon waren, dann geht es ins Getuemmel. Dienstagabend ist Partyabend. *Jeden* Dienstagabend! Da kann Marburg auch noch was von lernen. Die Strassen der Altstadt sind voller Leben, auf kleinen Buehnen hier und da spielen Samba-Bands heisse Latino-Rhythmen, die Menschen sind alle in Bewegung, hueftschwingend, mitsingend, strahlend. Wow! Nico zeigt uns seinen Lieblingsort fuer Dienstagabend: eine grosse Treppe, an deren Fuss eine lustige Band spielt und auf deren Stufen die Menschen sich versammeln. Kaya haengt bei Michi im Tragebeutel und schlaeft selig. Selbst, als die Musik losgeht, oder als die Leute direkt neben ihr johlen und klatschen und pfeifen, laesst sie sich nicht stoeren. Tolles Reisekind!

Ich bin gluecklich, hier zu sein. Mit dieser Familie, unter diesen Menschen, in diesem Klima, bei dieser Musik. Hier kann man gar nicht anders, als das Leben etwas leichter zu nehmen.

01.10.2012

Salvador de Bahia: Impressionen

Mit diesem beeindruckenden Aufzug entkommt man dem Gewusel der Cidade Baixa ("Unterstadt") und wird direkt in die malerische Altstadt, die Cidade Alta ("Oberstadt") befoerdert. Wie in Marburg. Nur waermer. Und mit Blick aufs Meer. Im Hintergrund uebrigens am Steg liegt unser Zuhause - zweiter Steg, vordere Reihe, neuntes Boot von links. :)


Endlich wieder mal flitzen!!




Wir bestaunen Kirchen von aussen...


...und von innen.


Verdiente Pause mit Kaffee und Kinderkaffee.


Sieht fast aus wie in Marburg hier.


Vielleicht ein bisschen bunter.


Mit mehr Schnoerkeln.


Und mit den coolsten Telefonzellen, die ich jeh gesehen habe.


Ist nicht vielleicht hier was zu vermieten?


Street Art.


Und wieder verdiente Pause.


Sonnenuntergang ueberm Meer. Wie romantisch!!


Tschuess Tag!

30.09.2012

Begruessung an Bord

Michi empfaengt uns am Flughafen, das Taxi steht schon bereit. Wir treten nach draussen in eine neue Welt. Ich bin gluecklich! Und auch ein bisschen stolz, dass ich mich das hier alles traue. Schwanger. Mit Kleinkind an der Hand.

Wir fahren durch einen Tunnel von Bambus, dann vorbei an den aermeren Aussenbezirken der Stadt. Hier ist alles anders. Wie immer, wenn ich nach langem Flug irgendwo ankomme, kann ich erstmal vor allem nur gucken und Eindruecke aufsaugen. Und die Mischung aus Reiseerschoepfung und Reiseaufregung geniessen.

Padma liegt am Steg einer kleinen Marina. Und begruesst uns in guter alter Tradition mit einem liebevollen Willkommensschild.


Michi hat gestern, wie er stolz erzaehlt, bis tief in die Nacht noch alles geschrubbt und geputzt, damit wir uns wohl fuehlen an Bord. Und es sieht auch wirklich unglaublich kuschelig aus hier! Trotzdem muss ich mich wieder ein bisschen an die Enge gewoehnen. Vor allem mit dem Bauchumfang... Fuer das Alltagsleben an Bord muss man eigentlich ziemlich sportlich und beweglich sein... Aber wir schaffen das schon! Jetzt erstmal schlafen.

Der Flug

Aufstehen um halb 6. Was bin ich aufgeregt! Wo fliege ich da hin? Wie wird das werden mit der quirligen Kaya 11 Stunden im Flugzeug zu sein? Was erwartet mich?

Nora und Elke bringen mich im Licht der aufgehenden Sonne zum Flughafen. Noch ein gemeinsames Kaeffchen, dann heisst es, Abschied nehmen und alleine mit Kind und Paessen durch die Sicherheitskontrolle. Das Abenteuer geht los!


Kaya ist eine grossartige Reisebegleitung, stelle ich schnell fest. Unternehmungslustig sitzt sie neben mir auf dem Fensterplatz und freut sich. Wir lesen, spielen, packen Fahrtueberraschungen aus - und eh ich mich versehe, ist sie auch schon eingeschlafen. Und schlaeft erstmal 3 Stunden. Dass sie sich dabei so ueber unsere beiden Sitze ausstreckt, dass ich einen grossen Teil dieser Zeit im Gang stehen muss, ist ein vergleichsweise geringes Uebel. Immerhin hat mir die Frauenaerztin ja auch empfohlen, mich viel zu bewegen und immer mal auf und ab zu gehen. Das kann ich jetzt gut machen.


Und irgendwie gehen diese 11 Stunden einfach so um. Ploetzlich setzen wir zur Landung an. Unglaublich. Wir sind in Suedamerika!! Hurra!! Toller Blick auf die riesige Metropole Salvador de Bahia. Leider muss Kaya angeschnallt bleiben und kann von unten gar nicht gut aus dem Fenster gucken - das ist der erste Moment, an dem sie ein bisschen unzufrieden wird. Aber wir sind ja gleich da!

24.09.2012

SMS von Michi

23.09.2012
18:29 Uhr
"Bin auf Höhe von Recife. So weit im Plan... M"

24.09.2012
16:23
"Bin auf Höhe von Maceio, 16 Meilen v Küste. Wind schwächelt, komme erst Do an. Kuss!"

Kuss zurück, Michi!

So ist das, wenn man zuhause sitzt und bangt. Während Kaya und ich noch die Herbsttage in Hessen genießen, dümpelt Michi Richtung Salvador. Am Sonntag (30.9.) fliegen wir dann auch dorthin und hoffen, dass er bis dahin gesund und munter angekommen ist. Sind ja noch ein paar Tage Zeit...

Das Abenteuer geht weiter!! Zumindest erstmal für 6 Wochen, dann müssen wir zurück und einen zweiten kleinen Schreihals in die Welt entlassen. Und dann... Mal sehen...

08.04.2012

Skipper geht von Bord

Schließlich wird das Schiff sicher vertäut, alles an Bord eingepackt, zugemacht und konserviert, so dass ich Padma guten Gewissens lange Zeit alleine lassen kann. Ich gehe von Bord, und denke, dass ich vielleicht in einem halben Jahr wiederkomme, um die Reise nach Salvador de Bahía fortzusetzen, und dort mit Nina und Kaya herumzusegeln.



So lange bleibt das tapfere Schiff treu an seinen Festmacherleinen und wartet auf neue Abenteuer.