Michi, Nina, Kaya und Mona segeln auf Padma um die Welt (oder soweit sie kommen...)! Und was sie dabei so alles erleben, findet ihr hier auf Radio Schnups.
12.12.2011
09.12.2011
Anker auf
Nina und Kaya sind bis zum neuen Jahr bei den Lieben in Deutschland, und ich fahre nach Afrika!
350 Seemeilen bis Dakar. Die Wettervorhersage ist günstig (Windstärke 4 aus NNE), der Mond ist voll, und Padma ist seeklar. Ich hole jetzt den Anker auf und bin, inshallah, am Montag in Dakar.
350 Seemeilen bis Dakar. Die Wettervorhersage ist günstig (Windstärke 4 aus NNE), der Mond ist voll, und Padma ist seeklar. Ich hole jetzt den Anker auf und bin, inshallah, am Montag in Dakar.
04.12.2011
Von Walen, großen Schiffen, Stränden und Sehnsuchtsmusik
Der Tag beginnt mit Whalewatching. Allerdings innerhalb unseres Salons. Da sieht man den Wal dann auch besser. (Strenggenommen müsste eigentlich hier von Whalecatching die Rede sein - oder Whaletossing?).

Nach dem Mittagessen machen wir einen Dinghy-Ausflug zu dem riesigen 35-Meter-Schiff, das leuchtend rot hinter uns ankert und mit seinem traditionellen Rigg extremst malerisch aussieht. Gestern hatten wir Annalies, die Co-Skipperin, am Strand kennengelernt und waren eingeladen worden, mal vorbeizuschauen.
Als wir ankommen, steigt Annalies gerade mit drei wuseligen Hunden in ihr eigenes Schlauchboot. Gassi gehen bekommt auf einem Segelboot auch ganz neue Konnotationen. Da muss man erstmal zum Strand tuckern, bevor irgendwer Gassi gehen kann. Und bei der Welle, die hier gerade in die Bucht rollt und die Dinghys lustig herumhüpfen lässt, ist das Ein- und Aussteigen echt eine Kunst. Wie aus einem fahrenden Aufzug rauszuspringen. Annalies bleibt gelassen, verfrachtet die japsenden Hunde gekonnt auf ihr Boot, wirft den Außenbordmotor an und braust winkend davon. Jetzt sind wir dran. Eugene, der amerikanische Besitzer und Skipper dieses gigantischen Schiffes, hilft uns, an Bord zu kommen. Von hier unten könnte man sich eher in einer Fähre wähnen, statt in einem Segelboot. Wir klettern von dem Dinghy auf eine massive, herausstehende Plattform, von dort geht es durch eine schwere Stahltür nach drinnen. Der Geruch, die Akustik hier drin, das entfernte Brummen des Generators, das Gefühl des kühlen Metalls an den Händen - all das erinnert an frühere Familienurlaube, als wir mit unseren kleinen Kinderrucksäcken staunend aus dem Auto im Unterdeck stiegen, an den Händen der Eltern durch den Geruch von Diesel und Öl hindurch zur Treppe gingen und die steilen Stahlstufen erklommen, im Vorbeigehen die massive Schwere all der Türen um uns registrierend, auf denen meistens in großen Druckbuchstaben der Durchgang für uns Passagiere strikt verboten wurde
Heute steht uns genau so eine Tür offen, durch die wir nun (mindestens genauso staunend wie damals) Eugenes stolzes Segelschiff "Lagaren" betreten. Und was für ein Schiff! Man sah ja schon aus der Entfernung, dass es groß ist, aber die schieren Ausmaße verblüffen dann doch, wenn man sich innen drin befindet. In Analogie zum Immobilienmarkt könnte man sagen: Padma ist ein winziges, kuscheliges Einzimmerappartment, Lagaren eine zweistöckige Altbauvilla mit Keller, ziemlich zugerümpelt. Tatsächlich lernen wir bei unserer Tour durch die Stockwerke, dass Eugene auch sein Motorrad hier geparkt hat, dass es eine Sauna gibt, eine eigene Vorratskammer, mehrere Zimmer (richtige Zimmer!) und einen Maschinenraum, in dem allein Padma Platz finden könnte. Das Herzstück des Ganzen jedoch ist das Wohnzimmer. Eine Treppe tiefer, unter der Küche, befindet sich ein gigantisch großer Raum. Rechts und links, angepasst an die Rundung des Schiffsrumpfes, sind Regale eingebaut, vom Boden bis zur Decke, in denen eine umfangreiche Biblio-, Audio- und Videothek ihren Platz hat.
Im vorderen Teil des Raumes gruppieren sich um einen Megaflachbildfernseher alle denkbaren Instrumente: Gitarren, ein Cello, ein elektronisches Klavier, ein Schlagzeug, Mischpult, Boxen, kurz: ein gesamtes Musikstudio. Davor flauschige Teppiche, ein Sofa, Kissen, dann ein Esstisch mit schweren Holzstühlen. Im hinteren Ende ist ein Ofen eingebaut, offenes Kaminfeuer ist hier also auch machbar. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus, schließlich habe ich mich in den letzten Monaten auf eine andere Art des Lebens, eine sehr spartanische, eingestellt. Und dass Menschen an Land anders leben, ist mir schon klar.
Aber dass man auf einem Segelboot auch anders wohnen kann, das wirft mich um (nun gut, da ist Eugene nun auch echt eine ziemliche Ausnahme - und ich möchte gar nicht wissen, was dieses Schiff laufend kostet). Bei der Tour erfahren wir auch viel über ihn, seine Lebensgeschichte, seine Träume und Ideen. "Basically, I just wanna be a good man. That´s all I want in life. Be a good man." Mit seinem Piratenbart, dem nackten, tätowierten Oberkörper, dem chromglänzenden Chopper im Schiffsbauch und überhaupt all diesen angesammelten Statussymbolen (inklusive des Schiffes selbst) könnte er einen anderen Eindruck vermitteln. Aber ich glaube ihm. Er ist Amerikaner, er hat Geld, er gibt es aus für Dinge, die ihm Freude machen. Aber mein Herz springt ihm entgegen. Er ist einer von den Guten, trotz allen Äußerlichkeiten, das spürt man.
Wir wollen nochmal an Land, also laden wir Eugene und Annalies zum Abendessen ein und verabschieden uns vorerst. Uns lockt die kleine Insel neben der Ankerbucht. Wenn das mal kein posterreifer Sandkasten ist!

(Im Hintergrund sieht man übrigens am Bildrand rechts Lagaren dümpeln).
Was das Bild allerdings nicht zeigt, ist dass die Insel leider von Müll übersäht ist. Plastikflaschen, Glasscherben, Plastiktüten, Sandalen, Plastikdeckel... Gruselig. So posterreif ist der Sandkasten dann doch nicht. Und kühl wird es auch langsam. Wir gesellen uns noch ein bisschen zu einem Grüppchen Kapverdianer, die mit viel Alkohol und Gitarre im Sand sitzen...

...und kapverdianische Sehnsuchtslieder spielen. Kaya darf auch mal:

Dann geht's wieder ab ins Dinghy und nach Hause. Wir müssen ja auch noch Essen vorbereiten.
Annalies und Eugene sind spannende Gesellschaft. Ich merke bei den Unterhaltungen über unserem Kürbisrisotto mal wieder: Das ist wirklich etwas, was mir am Reisen gefällt und was ich sonst so nicht habe. Neue Menschen. Immer wieder. Neue Geschichten. Neue Perspektiven. Neue Fragen an einen selbst, auf die man neue Antworten finden kann. Neue Inspiration. Neue Lebensenergie. Das ist ein Geschenk. Und ich bin dankbar dafür.

Nach dem Mittagessen machen wir einen Dinghy-Ausflug zu dem riesigen 35-Meter-Schiff, das leuchtend rot hinter uns ankert und mit seinem traditionellen Rigg extremst malerisch aussieht. Gestern hatten wir Annalies, die Co-Skipperin, am Strand kennengelernt und waren eingeladen worden, mal vorbeizuschauen.
Als wir ankommen, steigt Annalies gerade mit drei wuseligen Hunden in ihr eigenes Schlauchboot. Gassi gehen bekommt auf einem Segelboot auch ganz neue Konnotationen. Da muss man erstmal zum Strand tuckern, bevor irgendwer Gassi gehen kann. Und bei der Welle, die hier gerade in die Bucht rollt und die Dinghys lustig herumhüpfen lässt, ist das Ein- und Aussteigen echt eine Kunst. Wie aus einem fahrenden Aufzug rauszuspringen. Annalies bleibt gelassen, verfrachtet die japsenden Hunde gekonnt auf ihr Boot, wirft den Außenbordmotor an und braust winkend davon. Jetzt sind wir dran. Eugene, der amerikanische Besitzer und Skipper dieses gigantischen Schiffes, hilft uns, an Bord zu kommen. Von hier unten könnte man sich eher in einer Fähre wähnen, statt in einem Segelboot. Wir klettern von dem Dinghy auf eine massive, herausstehende Plattform, von dort geht es durch eine schwere Stahltür nach drinnen. Der Geruch, die Akustik hier drin, das entfernte Brummen des Generators, das Gefühl des kühlen Metalls an den Händen - all das erinnert an frühere Familienurlaube, als wir mit unseren kleinen Kinderrucksäcken staunend aus dem Auto im Unterdeck stiegen, an den Händen der Eltern durch den Geruch von Diesel und Öl hindurch zur Treppe gingen und die steilen Stahlstufen erklommen, im Vorbeigehen die massive Schwere all der Türen um uns registrierend, auf denen meistens in großen Druckbuchstaben der Durchgang für uns Passagiere strikt verboten wurde
Heute steht uns genau so eine Tür offen, durch die wir nun (mindestens genauso staunend wie damals) Eugenes stolzes Segelschiff "Lagaren" betreten. Und was für ein Schiff! Man sah ja schon aus der Entfernung, dass es groß ist, aber die schieren Ausmaße verblüffen dann doch, wenn man sich innen drin befindet. In Analogie zum Immobilienmarkt könnte man sagen: Padma ist ein winziges, kuscheliges Einzimmerappartment, Lagaren eine zweistöckige Altbauvilla mit Keller, ziemlich zugerümpelt. Tatsächlich lernen wir bei unserer Tour durch die Stockwerke, dass Eugene auch sein Motorrad hier geparkt hat, dass es eine Sauna gibt, eine eigene Vorratskammer, mehrere Zimmer (richtige Zimmer!) und einen Maschinenraum, in dem allein Padma Platz finden könnte. Das Herzstück des Ganzen jedoch ist das Wohnzimmer. Eine Treppe tiefer, unter der Küche, befindet sich ein gigantisch großer Raum. Rechts und links, angepasst an die Rundung des Schiffsrumpfes, sind Regale eingebaut, vom Boden bis zur Decke, in denen eine umfangreiche Biblio-, Audio- und Videothek ihren Platz hat.
Im vorderen Teil des Raumes gruppieren sich um einen Megaflachbildfernseher alle denkbaren Instrumente: Gitarren, ein Cello, ein elektronisches Klavier, ein Schlagzeug, Mischpult, Boxen, kurz: ein gesamtes Musikstudio. Davor flauschige Teppiche, ein Sofa, Kissen, dann ein Esstisch mit schweren Holzstühlen. Im hinteren Ende ist ein Ofen eingebaut, offenes Kaminfeuer ist hier also auch machbar. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus, schließlich habe ich mich in den letzten Monaten auf eine andere Art des Lebens, eine sehr spartanische, eingestellt. Und dass Menschen an Land anders leben, ist mir schon klar.
Aber dass man auf einem Segelboot auch anders wohnen kann, das wirft mich um (nun gut, da ist Eugene nun auch echt eine ziemliche Ausnahme - und ich möchte gar nicht wissen, was dieses Schiff laufend kostet). Bei der Tour erfahren wir auch viel über ihn, seine Lebensgeschichte, seine Träume und Ideen. "Basically, I just wanna be a good man. That´s all I want in life. Be a good man." Mit seinem Piratenbart, dem nackten, tätowierten Oberkörper, dem chromglänzenden Chopper im Schiffsbauch und überhaupt all diesen angesammelten Statussymbolen (inklusive des Schiffes selbst) könnte er einen anderen Eindruck vermitteln. Aber ich glaube ihm. Er ist Amerikaner, er hat Geld, er gibt es aus für Dinge, die ihm Freude machen. Aber mein Herz springt ihm entgegen. Er ist einer von den Guten, trotz allen Äußerlichkeiten, das spürt man.
Wir wollen nochmal an Land, also laden wir Eugene und Annalies zum Abendessen ein und verabschieden uns vorerst. Uns lockt die kleine Insel neben der Ankerbucht. Wenn das mal kein posterreifer Sandkasten ist!

(Im Hintergrund sieht man übrigens am Bildrand rechts Lagaren dümpeln).
Was das Bild allerdings nicht zeigt, ist dass die Insel leider von Müll übersäht ist. Plastikflaschen, Glasscherben, Plastiktüten, Sandalen, Plastikdeckel... Gruselig. So posterreif ist der Sandkasten dann doch nicht. Und kühl wird es auch langsam. Wir gesellen uns noch ein bisschen zu einem Grüppchen Kapverdianer, die mit viel Alkohol und Gitarre im Sand sitzen...

...und kapverdianische Sehnsuchtslieder spielen. Kaya darf auch mal:

Dann geht's wieder ab ins Dinghy und nach Hause. Wir müssen ja auch noch Essen vorbereiten.
Annalies und Eugene sind spannende Gesellschaft. Ich merke bei den Unterhaltungen über unserem Kürbisrisotto mal wieder: Das ist wirklich etwas, was mir am Reisen gefällt und was ich sonst so nicht habe. Neue Menschen. Immer wieder. Neue Geschichten. Neue Perspektiven. Neue Fragen an einen selbst, auf die man neue Antworten finden kann. Neue Inspiration. Neue Lebensenergie. Das ist ein Geschenk. Und ich bin dankbar dafür.
02.12.2011
Erste Blicke auf die Ankerbucht bei Sal Rei, Boavista
Um die Segelboote zu erkennen, muss man ggf. das Bild vergrößern: Wir liegen ganz am Horizont, ca. 1km weit draußen. Hier ist es ziemlich flach und voller fieser kleiner Riffe, so dass die Ankerstelle ziemlich weit weg liegt vom Ufer. Die verbleibende Distanz muss dann eben per Dinghy zurückgelegt werden.

Erst mal stärken...

Toll, diese Restaurants mit Kinderbetreuung!


Erst mal stärken...

Toll, diese Restaurants mit Kinderbetreuung!

01.12.2011
Strangers in the night
Alles gut gegangen! Wir sind da! Boavista liegt mit sanften, weißen (!) Sanddünen und türkisblauem Wasser vor unserem Bug, der Anker ist fest, neben uns ragt die kleine Insel Ilheu de Sal Rei aus dem blitzenden Meer. Jetzt können wir aufatmen und uns erholen. Ich liebe diesen Moment!
Eigentlich verlief die Fahrt gut und unspektakulär. Der einzige Augenblick, in dem uns beiden ein bisschen das Herz in die Hose gerutscht ist, war, als nachts um 4 etwa ein ziemlich beeindruckend großes Frachtschiff in weniger als 0,5 Meilen hinter unserem Heck vorbeiknatterte. Es war meine Wache. Ich hatte die Lichter gesehen, sobald sie am Horizont zu erkennen waren (stockfinstere Nacht, kein Mond, etwas diesig) und sie brav mit dem Fernglas im Auge behalten. Aufgabe in einem solchen Fall ist es, die Peilung zu beobachten. Im Fernglas ist ein Kompass eingebaut. Wenn die fremden Lichter ihre verhätnismäßige Position zu uns nicht verändern, also immer im gleichen Winkel bleiben, heißt das: Kollisionskurs. Kollisionskurs heißt: Skipper wecken. Ich zögere noch ein paar Minuten, gucke wieder und wieder durchs Glas und versuche, ganz sicher zu gehen, dass ich Michi nicht umsonst wecke. Der braucht ja auch seinen Schlaf. Aber nichts zu machen. Peilung steht. Und der andere ist groß, das ist an der Anordnung der Lichter ebenfalls zu erkennen. Michi ist prompt zur Stelle, zögert aber auch noch ein bisschen, was nun am besten zu tun ist. Um unseren Kurs zu ändern, ist es eigentlich schon zu spät, da hätte ich ihn früher wecken müssen. Bei solchen Situation sind ein paar Minuten ziemlich entscheidend. Während wir noch überlegen, erkennen wir, dass der andere abdreht. Statt rotem Lichtchen sehen wir nun ein grünes, was bedeutet, wir sehen nicht mehr seine Backbordseite, sondern Steuerbord. Er wird hinter uns vorbei gehen. Uff! Wir starren in die Nacht und beobachten die Lichter, die nun ganz rasch größer werden, bis wir das ganze, in der Dunkelheit gespenstisch wirkende Schiff in ungemütlicher Nähe hinter uns vorbeiziehen sehen. Das Leben auf See ist existentiell - daran gibt es nichts zu diskutieren. Aber wir haben es mal wieder geschafft. Dem Tod von der Schippe gehüpft und in den türkisen Gewässern vor Boavista gelandet. Eins spricht auf jeden Fall für diese Art des Reisens: Man nimmt das Erreichen eines neuen Zieles nicht als selbstverständlich hin. Dementsprechend intensiviert ist das Erleben des Ankommens. Aber ich merke auch: Ich freue mich auf die Abenteuerpause. Meine Nerven wollen einfach mal ausruhen.
Eigentlich verlief die Fahrt gut und unspektakulär. Der einzige Augenblick, in dem uns beiden ein bisschen das Herz in die Hose gerutscht ist, war, als nachts um 4 etwa ein ziemlich beeindruckend großes Frachtschiff in weniger als 0,5 Meilen hinter unserem Heck vorbeiknatterte. Es war meine Wache. Ich hatte die Lichter gesehen, sobald sie am Horizont zu erkennen waren (stockfinstere Nacht, kein Mond, etwas diesig) und sie brav mit dem Fernglas im Auge behalten. Aufgabe in einem solchen Fall ist es, die Peilung zu beobachten. Im Fernglas ist ein Kompass eingebaut. Wenn die fremden Lichter ihre verhätnismäßige Position zu uns nicht verändern, also immer im gleichen Winkel bleiben, heißt das: Kollisionskurs. Kollisionskurs heißt: Skipper wecken. Ich zögere noch ein paar Minuten, gucke wieder und wieder durchs Glas und versuche, ganz sicher zu gehen, dass ich Michi nicht umsonst wecke. Der braucht ja auch seinen Schlaf. Aber nichts zu machen. Peilung steht. Und der andere ist groß, das ist an der Anordnung der Lichter ebenfalls zu erkennen. Michi ist prompt zur Stelle, zögert aber auch noch ein bisschen, was nun am besten zu tun ist. Um unseren Kurs zu ändern, ist es eigentlich schon zu spät, da hätte ich ihn früher wecken müssen. Bei solchen Situation sind ein paar Minuten ziemlich entscheidend. Während wir noch überlegen, erkennen wir, dass der andere abdreht. Statt rotem Lichtchen sehen wir nun ein grünes, was bedeutet, wir sehen nicht mehr seine Backbordseite, sondern Steuerbord. Er wird hinter uns vorbei gehen. Uff! Wir starren in die Nacht und beobachten die Lichter, die nun ganz rasch größer werden, bis wir das ganze, in der Dunkelheit gespenstisch wirkende Schiff in ungemütlicher Nähe hinter uns vorbeiziehen sehen. Das Leben auf See ist existentiell - daran gibt es nichts zu diskutieren. Aber wir haben es mal wieder geschafft. Dem Tod von der Schippe gehüpft und in den türkisen Gewässern vor Boavista gelandet. Eins spricht auf jeden Fall für diese Art des Reisens: Man nimmt das Erreichen eines neuen Zieles nicht als selbstverständlich hin. Dementsprechend intensiviert ist das Erleben des Ankommens. Aber ich merke auch: Ich freue mich auf die Abenteuerpause. Meine Nerven wollen einfach mal ausruhen.
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