15.10.2010

End of Roadtrip







Die Fahrt von Midelt nach Rabat fuehrt ueber den Mittleren Atlas, wobei der Pass hier hoeher ist als der ueber den Hohen Atlas, den wir gestern gefahren sind. Auf etwa 2000m Hoehe kurven wir durch eine atmeberaubend schoene Landschaft, jetzt mehr mit Zedernwald und weniger mit Dattelpalmen. Bei einem Zwischenstopp in Azrou geben wir uns auch endlich mal das authentische Erlebnis in einem Teppichladen. Schnell wieder raus hier, sonst haben wir noch, eh wir uns versehen, einen Teppich unter dem Arm, den kein Mensch braucht! Die sind aber auch schoen... Mit perfektem Timing kommen wir am Strand von Rabat an, als die Sonne gerade postkartenreif im Atlantik versinkt. Ankommen ist immer bewegend. Nach so langer Zeit, so vielen Kilometern, so viel Autofahrt ploetzlich stehenzubleiben. Motor aus. Aussteigen. Stillstand. Atmen.

Da stehe ich also. Im letzten Abendsonnenlicht. Meine kleine Familie, die Sonne, der Wind, das Meer. So wird das jetzt eine ganze Weile bleiben. Ich bin zu Traenen geruehrt.

Morgens in Midelt

Kaya ueberlegt, was sie wohl heute anzieht.

14.10.2010

Lonely Planet recommends...



Fruehstuecken auf der Dachterrasse inmitten der gigantischen Schlucht - das ist schon ein guter Anfang fuer den Tag. Dann geht der Roadtrip weiter, heute zurueck ueber den hohen Atlas. Gut, dass wir diese Strecke nicht noch gestern gefahren sind! Erstens ist es schoener und spannender (und weniger unheimlich) bei Tageslicht, ausserdem gilt auch fuer diese Passstrasse (so viele s in einem Wort! Cool!), dass wir uns in der Fahrtzeit mal wieder leicht verschaetzt haben. Bis nach Midelt, unserem Etappenziel, brauchen wir inklusive Still- und Wickelpausen 7,5 Stunden. Anstatt 4,5, wie wir ausgerechnet hatten.

Midelt selbst ist wenig spektakulaer, das wussten wir schon. Ist eben ein Etappenziel. Dafuer aber soll es ein nettes Hotel geben, das der Lonely Planet mit folgenden Worten beschreibt: "Tolles neues Hotel im Osten der Stadt. Gemessen am Preis (9 Euro fuers DZ mit Fruehstueck) sind die Zimmer geraeumig und wirklich hervorragend; in denen mit eigenem Bad gibt's warmes Wasser im Ueberfluss. Die Dachterrasse gewaehrt huebsche Panoramablicke und ist der perfekte Ort, um das grosszuegige Fruehstueck zu geniessen."

Schon von aussen sehen wir: neu ist dieses Gebaeude nicht. Eher...authentisch. Ueber kahle Betontreppen kommt man in einen grossen Raum, der ohne einen Anflug von Geschmack voll gestopft ist mit komischen Dingen (siehe Foto): Plastikblumen in Vasen aus Plastikholzimitat, die auf kleinen Karos aus Kunstrasen ruhen, Plastikblumengirlanden an den Durchgaengen, diverse Marokkofaehnchen und nichtidentifizierbare Pokale in kleinen hingestoppelten Kommoden, staubige, wild durcheinandergewuerfelte Teppiche, Plastikstuehle und Einzelelemente gammeliger Polstergarnituren haengen trostlos um kleine Plastiktischchen mit muffigen Tischdecken herum. Das Zimmer, das uns zugewiesen wird, sieht genauso aus. Moebel fuer den Sperrmuell, zerfetzte Gardinen an ausgeleierten Draehten. Geraeumig ja - aber hervorragend?? Wer bitte hat diesen Lonely Planet Eintrag verfasst? Von den Waenden broeckelt der Putz, das kahle Badezimmer ohne Fenster ist eine grosse geflieste Nasszelle in deren Mitte ein nackter Brauskopf Wasser zu allen Seiten nur nicht nach unten versprueht. Wer duscht, ertraenkt das gesamte Bad. Klospuelung geht auch nicht. Aber "warmes Wasser im Ueberfluss". Gelogen ist der Eintrag nicht. Zum Sonnenuntergang klettern wir ein paar weiter Betonstufen nach oben, um die Panoramaterrasse zu geniessen. Der Abendhimmel ist wirklich toll - aber die Terrasse entspricht dem sonstigen Zustand des Hauses. Wie hier jemand freuhstuecken moechte, bleibt eine ungeklaerte Frage. Was im Reisefuehrer nicht steht ist dass der aeltere Marokkaner und seine Familie, die das Hotel betreiben, sehr sympathisch und hilfsbereit sind. All das gehoert zum authentischen Travellerleben dazu! Auf jedenfall ist diese Herberge mal was anderes.

13.10.2010

Todra Schlucht





Ein steiniger Fluss zwischen zwei senkrechten Felswänden, so eine Schlucht ist im Dadés Tal beeindruckend, und im Todra-Tal 50km weiter noch beeindruckender. Unter den Klippen spazieren wir in der harten Sonne das Tal hoch, an kleinen Feldern und vereinzelten Palmen vorbei. Kaya natürlich mit dabei, umgeschnallt.

Wir wollten eigentlich nur kurz hereinschauen und uns dann auf den langen Weg zurück über die Berge machen. Aber weil es entspannt schöner ist, sind wir einfach noch über Nacht hier geblieben. Wir haben auch wieder eine super-gemütliche Herberge gefunden, in der wir uns auf Berber-Teppich-Polstern unter arabischen Stuckdecken und bei bunten Lämpchen total wohl fühlen. WLAN gibt es auch.

12.10.2010

Dadés Tal rauf und runter







Es ist nicht so leicht, mit Fotos zu zeigen, wie überwältigend diese Landschaft ist! Wir fahren ein bisschen mit dem Auto das Tal rauf und runter und halten dann in einem kleinen Örtchen an, um die Gegend weiter zu Fuß zu erkunden. Kaum jedoch haben wir geparkt, werden wir von neugierigen Mädchen umringt, für die Kaya offensichtlich mindestens genauso exotisch ist wie sie für uns. "Bebi", rufen sie (Betonung auf der zweiten Silbe), "Oh, Bebi!!" und linsen immer wieder in den Tragebeutel. Begleitet von der ganzen Kinderschar wandern wir nun durch die Felder und Feigenhaine im Tal bis zum Fluss. Aber fotografieren möchten sie sich auf keinen Fall lassen. Sobald wir den Fotoapparat zücken, rennen sie kichernd und schreiend zu allen Seiten weg. Zwei Mutige haben wir dann schließlich doch noch aufs Bild gekriegt. Sehr erfrischend, diese farbenfrohen, lachenden Kinder!

11.10.2010

5 Monde




"Les 5 Lunes" heißt unsere Herberge im wunderbar malerischen Dadés Tal. Vom Dach sieht man nachts 5 Millionen Sterne. Und innen ist es sehr kuschelig und künstlerisch auf rustikale marrokanische Art dekoriert. Die Brüder, die zusammen das Haus betreiben, spielen abends gerne Musik mit den Gästen, Berber-Folklore auf verschiedenen Trommeln. Wir fühlten uns so wohl, dass wir gleich zwei Nächte geblieben sind, um in Ruhe das Tal zu erkunden.

Hinterm Atlas





Schnurgerade geht die Straße bis zum Horizont durch die Wüste. Links der Hohe Atlas mit schneebedeckten Gipfeln. Und dann kommt man über eine Anhöhe in ein Tal, in dem die Oase Skoura liegt: Palmenhaine und noch mehr Kasbahs mit Mauern aus Lehm. Schliesslich die Stadt Kelaa Mgouna, in der jedes zweite Geschäft Rosenwasser und Kosmetikartikel aller Art mit Rosen verkauft, denn in dem Tal in der Nähe werden Rosen angebaut, heißt es. (Wir haben keine einzige Rose gesehen!)